„Wirtschaftsfaktor Tourismus“: Thüringen steigert Bruttoumsatz und Aufenthaltstage
Boos-John: „Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor“ / Thüringer Tourismustage in Bad Blankenburg: Startschuss für Umsetzung der neuen Tourismusstrategie 2035
Der Tourismus in Thüringen hat weiter an wirtschaftlicher Bedeutung gewonnen. Der touristische Bruttoumsatz stieg 2025 gegenüber dem Vorjahr um 3,1 Prozent auf 4,29 Milliarden Euro. Die touristische Wertschöpfung erhöhte sich um 3,8 Prozent auf rund 2,06 Milliarden Euro. Gleichzeitig nahm die Zahl der touristischen Aufenthaltstage um 2,5 Prozent auf 101,1 Millionen zu. Das geht aus der aktuellen Untersuchung „Wirtschaftsfaktor Tourismus Thüringen 2025“ hervor, die im Rahmen der Thüringer Tourismustage in Bad Blankenburg erstmals vorgestellt wurde. Erhoben wurden die Zahlen im Rahmen des Tourismusbarometers des Ostdeutschen Sparkassenverbandes von der dwif-Consulting GmbH. Auf den Tourismustagen am 28. und 29. September waren insgesamt rund 200 Akteure aus der Thüringer Tourismusbranche zusammengekommen. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung vom Thüringer Wirtschaftsministerium und der Thüringer Tourismus GmbH (TTG).
„Bei Tourismus denken viele zuerst an Urlaub und Freizeit“, sagte Wirtschaftsministerin Colette Boos-John. „Er ist aber vor allem ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Thüringen.“ Von den Ausgaben der Gäste und Besucher profitierten nicht nur Hotels und Gaststätten, sondern auch Einzelhandel, Dienstleister, Handwerk und viele weitere Unternehmen. „Tourismus schafft Wertschöpfung und Beschäftigung gerade auch im ländlichen Raum und stärkt damit ganze Regionen“, so die Ministerin.
Das belegen auch die aktuellen Zahlen: Vom touristischen Bruttoumsatz entfielen 2025 rund 2,07 Milliarden Euro auf das Gastgewerbe, 1,26 Milliarden Euro auf den Einzelhandel und rund 961 Millionen Euro auf Dienstleistungen. Aus Mehrwert- und Einkommensteuer resultierten nach Berechnungen der Studie Steuereinnahmen von rund 400 Millionen Euro.
Eine wichtige Säule bleibt dabei der Tagestourismus: 2025 wurden rund 75 Millionen Tagesreisen nach Thüringen unternommen. Sie stehen für mehr als die Hälfte des touristischen Gesamtumsatzes – rund 2,2 Milliarden Euro. Besonders dynamisch entwickelte sich zugleich der Übernachtungstourismus: Der damit verbundene Bruttoumsatz stieg um neun Prozent auf rund 1,74 Milliarden Euro.
„75 Millionen Tagesreisen sind eine sehr hohe Nachfragebasis“, erklärte TTG-Geschäftsführer Christoph Gösel. „Unsere gemeinsame Aufgabe besteht nun darin, daraus noch mehr Wertschöpfung vor Ort zu entwickeln. Wenn ein Ausflug nicht bei einem einzelnen Besuch endet, sondern mit Gastronomie, regionalen Produkten und weiteren Erlebnissen verbunden wird, profitieren Gäste, Betriebe und Regionen gleichermaßen.“
Tourismusstrategie geht in die Umsetzung
Neben dem „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ stand auf den Tourismustagen vor allem die „Tourismusstrategie Thüringen 2035“ im Mittelpunkt. Nachdem die Strategie Mitte September öffentlich vorgestellt worden war, wurde sie in Bad Blankenburg erstmals in breiter Runde mit Touristikern und weiteren touristischen Akteuren diskutiert. Dabei bestand von Anfang an Einigkeit über die Grundrichtung des neuen Tourismusfahrplans: Im Mittelpunkt muss das touristische Gesamterlebnis aus Sicht des Gastes stehen – von Information und Buchung über Anreise, Unterkunft und Mobilität bis hin zu Gastronomie sowie Kultur- und Naturangeboten.
„Mit der Vorstellung der Strategie ist die Arbeit nicht abgeschlossen – sie beginnt jetzt erst richtig“, sagte Boos-John. „Die Strategie kann nur dann erfolgreich sein, wenn wir sie gemeinsam mit allen touristischen Akteuren im Land mit Leben füllen. Ministerium, TTG, Regionen, Kommunen und vor allem die touristischen Betriebe selbst tragen dabei gemeinsam Verantwortung und leisten ihren Beitrag zum Erfolg. Jetzt geht es darum, aus den strategischen Leitlinien konkrete Verbesserungen für unsere Gäste und für die touristische Wirtschaft zu machen.“
Der zweite Tag der Tourismustage stand deshalb ganz im Zeichen der künftigen Umsetzung der neuen Tourismusstrategie. In Workshops arbeiteten die Teilnehmer an konkreten Fragestellungen aus den sechs Entwicklungsfeldern Produkt, Betriebe, Digitalisierung, Finanzierung und Organisation, Marketing sowie Mobilität. Die Strategie sieht klare Verantwortlichkeiten, eine jährliche Maßnahmenplanung und eine kontinuierliche Erfolgskontrolle vor.
„Unser Ziel ist ein Thüringen-Tourismus, bei dem gute Einzelangebote noch besser zusammenspielen“, betonte TTG-Geschäftsführer Gösel. „Denn für den Gast zählt am Ende nicht die einzelne Zuständigkeit, sondern das gesamte Reiseerlebnis. Wenn es uns gelingt, Qualität, Angebote und Akteure besser miteinander zu vernetzen, stärkt das zugleich die touristische Wertschöpfung im Land.“
Mit den neu konzipierten Thüringer Tourismustagen wurden erstmals der bisherige Thüringer Tourismustag, der „Destinationstag“ und die Verleihung des Thüringer Tourismuspreises in einem gemeinsamen Veranstaltungsformat zusammengeführt. Ziel des neuen Formats ist es, die verschiedenen Akteure und Themen des Thüringen-Tourismus noch stärker zusammenzubringen und den fachlichen Austausch innerhalb der Branche zu fördern.


