Mobilität als Service: Warum immer mehr Deutsche aufseigene Auto verzichten

Bild: KI-generierte Illustration
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Das eigene Auto galt in Deutschland jahrzehntelang als selbstverständlicher Teil des Erwachsenenlebens – oft sogar als Statussymbol. Doch dieses Selbstverständnis bekommt Risse. Steigende Kosten, urbane Lebensrealitäten und ein wachsendes Angebot flexibler Alternativen führen dazu, dass immer mehr Menschen Mobilität nicht mehr besitzen, sondern buchen. „Mobility as a Service“ heißt der Trend – und er verändert die Art, wie Deutschland unterwegs ist.

Der Kostenschock: Autofahren wird zum Luxusgut

Der wohl stärkste Treiber des Umdenkens ist schlicht der Preis. Wer heute ein Auto besitzt, spürt die Teuerung an allen Ecken: Die Beiträge zur Kfz-Versicherung lagen im September 2025 um 10,9 Prozent über dem Vorjahresniveau – und das nach Jahren massiver Erhöhungen. Allein zwischen 2020 und 2024 verteuerte sich die Autoversicherung laut Statistischem Bundesamt um 43,6 Prozent. Auch in der Werkstatt wird es teuer: Die Stundensätze für Mechanik- und Karosseriearbeiten haben 2024 erstmals die Marke von 200 Euro überschritten; seit 2017 sind sie um rund 50 Prozent gestiegen – doppelt so stark wie das allgemeine Preisniveau.

Rechnet man Anschaffung, Wertverlust, Kraftstoff oder Strom, Versicherung, Steuer, Wartung und Parken zusammen, kommt schnell eine vierstellige Monatsbelastung für einen Neuwagen der Mittelklasse zusammen. Das Tückische daran: Studien zeigen, dass Autobesitzer die tatsächlichen Gesamtkosten ihres Fahrzeugs systematisch um bis zu 50 Prozent unterschätzen. Kein Wunder also, dass laut einer ADAC-Umfrage neun von zehn Autofahrern über gestiegene Nutzungskosten klagen – und fast jeder Zweite das Auto deshalb bereits öfter stehen lässt.

Hinzu kommt die Einstiegshürde: Ein Neuwagen kostet in Deutschland im Schnitt rund 44.600 Euro. Für viele Haushalte – und insbesondere für junge Menschen – ist das schlicht nicht mehr darstellbar. Unter den Angehörigen der Generation Z ohne eigenes Auto nennt fast die Hälfte die Kosten als Hauptgrund für den Verzicht.

Vom Besitzen zum Nutzen: Ein Mentalitätswandel

Dabei geht es längst nicht nur ums Geld. Vor allem in den Städten verändert sich das Verhältnis zum Auto grundlegend. Laut einer Studie des Center of Automotive Management halten nur noch 55 Prozent der 18- bis 25-Jährigen einen eigenen Pkw für wichtig oder sehr wichtig – unter jungen Stadtbewohnern sind es sogar nur 36 Prozent. Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung liegt dieser Wert bei 73 Prozent.

Wichtig ist dabei die Differenzierung: Die Deutschen wollen nicht auf Mobilität verzichten – sie wollen auf die Verpflichtungen des Besitzes verzichten. Umfragen zeigen, dass die große Mehrheit weiterhin Wert auf jederzeit verfügbare, individuelle Mobilität legt. Was sich ändert, ist der Weg dorthin: weg vom gekauften Fahrzeug, das 23 Stunden am Tag ungenutzt herumsteht, hin zu Modellen, bei denen man genau die Mobilität bezahlt, die man tatsächlich braucht.

Carsharing, ÖPNV, Auto-Abo: Das neue Mobilitäts-Ökosystem

Dieses Umdenken wäre ohne die passenden Angebote folgenlos geblieben. Doch das Ökosystem der Alternativen ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen.

Beispiel Carsharing: Zum 1. Januar 2026 zählte der Bundesverband CarSharing im stationsbasierten und kombinierten Segment 978.300 angemeldete Fahrberechtigte – ein Plus von 11,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Über alle Anbieter hinweg waren zuletzt mehr als 5,5 Millionen Menschen in Deutschland bei Carsharing-Diensten registriert. Bemerkenswert: Carsharing ist längst kein reines Großstadtphänomen mehr. Die Angebote sind inzwischen in fast 1.500 Städten und Gemeinden verfügbar – Tendenz weiter steigend.

Auch das Deutschlandticket hat den Verzicht aufs eigene Auto für viele Pendler realistischer gemacht: Ein bundesweit gültiges Nahverkehrsabo zum Pauschalpreis senkt die Schwelle, alltägliche Wege ohne Pkw zurückzulegen, erheblich.

Und dann ist da das Auto-Abo – das Bindeglied zwischen Carsharing und klassischem Fahrzeugbesitz. Wer regelmäßig ein Auto braucht, aber weder Anzahlung noch Wertverlustrisiko noch Werkstatttermine tragen will, bekommt hier ein Fahrzeug zur monatlichen Pauschale: Versicherung, Steuer, Wartung und Zulassung inklusive, kündbar oft nach wenigen Monaten. Nur Tanken beziehungsweise Laden kommt hinzu.

Das Auto-Abo: Vom Nischenprodukt zur planbaren Mobilitätslösung

Wie stark sich dieses Segment professionalisiert hat, zeigen aktuelle Branchenauswertungen. Die durchschnittliche Abo-Rate liegt demnach bei rund 500 Euro im Monat, die typischen Laufzeiten nähern sich inzwischen einem Jahr, und die Kilometerpakete pendeln sich bei etwa 1.500 Kilometern monatlich ein. Das Auto-Abo wird damit zunehmend als planbare Mobilitätslösung genutzt – nicht mehr nur als kurzfristige Überbrückung.

Besonders interessant für Verbraucher: Der sogenannte Abo-Faktor – das Verhältnis von Monatsrate zum Fahrzeuglistenpreis – ist zuletzt spürbar gesunken und liegt im Marktdurchschnitt nur noch bei gut einem Prozent. Übersetzt heißt das: Abonnenten bekommen heute deutlich mehr Fahrzeugwert für ihr Geld als noch vor zwei Jahren. Der Wettbewerb unter den Anbietern arbeitet für die Kundschaft.

Auch das Nutzerprofil hat sich gewandelt. Der typische Abonnent ist Ende 30 – das Auto-Abo ist also längst kein reines Spielfeld experimentierfreudiger Digital Natives mehr, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Zudem entdecken immer mehr Selbstständige und Unternehmen das Modell für sich, weil es Planbarkeit ohne langfristige Kapitalbindung bietet.

Für wen lohnt sich der Abschied vom eigenen Auto?

Ob sich Mobility as a Service rechnet, hängt stark vom individuellen Nutzungsprofil ab. Als Faustregel gilt: Wer in der Stadt lebt, wenige tausend Kilometer im Jahr fährt und gut an den ÖPNV angebunden ist, fährt mit einer Kombination aus Deutschlandticket, Fahrrad und gelegentlichem Carsharing meist deutlich günstiger als mit einem eigenen Wagen.

Wer regelmäßig ein Auto braucht – etwa für den Arbeitsweg, die Familie oder berufliche Flexibilität –, für den kann das Auto-Abo die attraktivere Alternative zum Kauf oder Leasing sein: volle Kostentransparenz durch eine All-inclusive-Rate, keine Anzahlung, kein Restwertrisiko und die Freiheit, das Modell nach wenigen Monaten zu wechseln oder ganz auszusteigen, wenn sich die Lebenssituation ändert. Gerade in Zeiten, in denen niemand seriös vorhersagen kann, wie sich Antriebstechnologien, Restwerte und Regulierung entwickeln, ist diese Flexibilität bares Geld wert.

Da sich die Anbieter allerdings deutlich bei Preisen, Kilometerpaketen, Mindestlaufzeiten, Selbstbeteiligungen und Lieferzeiten unterscheiden, lohnt vor dem Abschluss ein genauer Blick auf die Konditionen. Einen aktuellen Überblick über die Anbieter und Tarife am Markt bietet ein Auto-Abo-Vergleich, mit dem sich die Angebote nach den eigenen Bedürfnissen filtern lassen.

Fazit: Die Zukunft gehört der flexiblen Mobilität

Der viel beschworene Abschied der Deutschen vom Auto ist bei genauem Hinsehen kein Abschied vom Autofahren – sondern vom Autobesitzen. Die Rekordkosten für Versicherung, Werkstatt und Anschaffung, gewachsene Alternativen von Carsharing bis Deutschlandticket und die neue Reife des Auto-Abo-Marktes machen es so einfach wie nie, Mobilität als Dienstleistung zu beziehen statt als Eigentum zu verwalten.

Für die einen bedeutet das den kompletten Verzicht aufs Auto. Für viele andere bedeutet es: weiterhin Auto fahren – aber flexibler, transparenter und ohne die Klumpenrisiken des Besitzes.

Mobility as a Service ist damit weniger eine Revolution als eine überfällige Modernisierung. Und sie hat gerade erst begonnen.

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