Der verborgene Strompreis des Internets – und warum das Emsland zur Lösung beitragen kann
Das Internet hat das Leben vieler Menschen verändert – und in den meisten Fällen wohl auch verbessert. Doch über den Stromverbrauch, den die Nutzung des World Wide Web mit sich bringt, spricht kaum jemand. Unser Beitrag wirft ein Schlaglicht auf dieses unbequeme Thema und zeigt, warum gerade Regionen wie das Emsland dabei eine unerwartete Rolle spielen könnten.
Streaming-Dienste: Energieintensive Unterhaltung
Den größten Anteil daran tragen Streaming-Dienste, die heute von allen Altersgruppen genutzt werden – sei es zur Unterhaltung oder zur Information. Den wenigsten Nutzern ist bekannt, wie energieintensiv das Streaming tatsächlich ist. Beim Streamen von Netflix-Serien und Filmen ergibt sich beispielsweise folgendes Datenvolumen:
- SD (Standard): ca. 1 GB pro Stunde
- HD: ca. 3 GB pro Stunde
- Full-HD: ca. 3–4 GB pro Stunde
- 4K/UHD: ca. 7–10 GB pro Stunde
Kurzvideos bei Instagram verbrauchen zwar weniger Datenvolumen pro Clip, doch gerade junge Nutzer konsumieren heute oft Dutzende Videos pro Tag, die jeweils 10 bis 30 MB pro Minute aufweisen – da summiert sich einiges.
Eine Alternative zum Streamen ist derzeit nicht in Sicht. Den Nutzern das Herunterladen der Videos zuzumuten, kommt für die Anbieter nicht in Frage – und technisch gesehen wäre dies ohnehin kaum möglich, da beispielsweise iPhones keine Speicherkarten nutzen können.
Welche Rolle spielen Online-Spiele?
Neben dem Streaming ist auch das Online-Gaming ein relevanter Faktor – wenn auch ein kleinerer. Online-Spiele machen sich die Internet-Infrastruktur zunutze, um authentische Spielerlebnisse zu erzeugen und Teilnehmer zusammenzubringen. Klassische „Datenfresser“ sind dabei Massively-Multiplayer-Online-Spiele (MMOs) und Cloud-Gaming-Dienste, die durch permanente Updates, Sprach-Chats und aufwendige Echtzeit-Grafik die Infrastruktur konstant belasten.
Anders sieht es bei Online-Casinos aus. Vergleichsportale für Online-Glücksspiel heben hervor, dass die Online Casino schnelle Auszahlung auf schlanken Transaktionsprozessen basiert – und genau das spiegelt sich auch im Energieprofil wider. Online-Casinos gehören zu den ressourcenärmsten Formaten der digitalen Unterhaltung, weit sparsamer als Cloud-Gaming oder stundenlange Streaming-Sessions.
Der globale Energieverbrauch des Internets: Zahlen und Fakten
Den globalen Energieverbrauch des Internets zu bestimmen, ist nicht leicht – denn zum Internet gehören nicht nur große Datenzentren, sondern auch die Netze und natürlich die Endgeräte der Nutzer. Jedoch lässt sich mit Gewissheit sagen, dass ein bedeutender Teil der Internet-Infrastruktur von den Datenzentren verbraucht wird, die quer über den Planeten verteilt sind.
Prozentual gesehen ist der Energieverbrauch in diesem Bereich zwar geringer, als die meisten Leute denken. Der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren wird 2026 voraussichtlich um 26,4 % steigen und 565 TWh erreichen. Dies entspricht in etwa 2 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs. Jedoch wächst der Energiebedarf der Zentren von Jahr zu Jahr, nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Nutzung von Künstlichen Intelligenzen wie ChatGPT und Claude.
Die US-amerikanische Energiebehörde sagt einen drastischen Anstieg des internetbezogenen Stromverbrauchs voraus: Für 2028 wird ein Anteil von 6,7 bis 12 Prozent am landesweiten Stromverbrauch prognostiziert. Woher kommt dieser Anstieg? Ein Blick auf die größten Verbraucher gibt Aufschluss.
Grüne Rechenzentren: Chancen für das Emsland

Der steigende Energiebedarf des Internets stellt die gesamte Branche vor eine zentrale Frage: Woher soll der Strom kommen? Ein möglicher Ausweg könnten sogenannte Green Data Centers sein, die auf erneuerbare Energien wie Solar- oder Windkraft setzen und ihre Server teilweise oder ausschließlich mit sauberer Energie betreiben.
Gerade hier verfügt das Emsland über einen klaren Standortvorteil. Die Region gehört zu den führenden Windenergie-Standorten in Niedersachsen: Rund um Twist, Dörpen und Meppen drehen sich zahlreiche Windräder, die sauberen Strom erzeugen – weit mehr, als die Region selbst verbraucht. Dieser Überschuss könnte künftig nicht nur Haushalte in Lingen oder Papenburg versorgen, sondern auch energiehungrige Rechenzentren speisen.
Dass dieses Modell funktioniert, zeigen die Niederlande, wo bereits heute große Serverfarmen mit Windenergie betrieben werden. Eine ähnliche Entwicklung im Emsland ist keine Utopie, sondern eine logische Konsequenz aus dem vorhandenen Potenzial.
In Lingen wird dieser Wandel bereits aktiv gestaltet. Nach der Abschaltung des Kernkraftwerks Emsland im April 2023 hat die Stadt als Energiestandort längst nicht ausgedient: Mit dem Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur und dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien positioniert sich Lingen als zukunftsfähiger Energieknoten im Nordwesten Deutschlands.
Was unter „sauberer Energie“ zu verstehen ist, bleibt freilich Ansichtssache. Solarmodule etwa werden mit hohem energetischen Aufwand hergestellt, und die benötigten seltenen Erden werden oft unter fragwürdigen Bedingungen gewonnen. Im windreichen Emsland hingegen lohnt sich Windkraft ganzjährig – ein klarer Standortvorteil gegenüber sonnenarmen Regionen. Ganz anders sieht die Situation in Südeuropa und Nordafrika aus. Dort amortisieren sich Solaranlagen oft schon nach weniger als 10 Jahren.
Fazit: Eine globale Frage mit lokaler Antwort
Das Internet verbraucht einen signifikanten und wachsenden Anteil am weltweit erzeugten Strom – angetrieben vor allem durch Streaming und KI. Grüne Rechenzentren könnten künftig einen Teil der benötigten Energie liefern, doch dafür braucht es Regionen, die den nötigen Ökostrom bereitstellen können.
Das Emsland ist eine davon. Mit seinem Windkraftpotenzial, dem Energieknoten Lingen und dem unternehmerischen Geist im Landkreis steht die Region nicht nur vor den Herausforderungen der digitalen Energiewende – sie kann aktiv Teil der Antwort darauf sein.


