Von Bauhaus bis Luther: Diese Thüringer Kulturorte feiern 2026 besondere Jubiläen
Erfurt (ots)
Zwischen Design, Religion und Gartenkunst: Während manche Museen die Vergangenheit feiern, zeigen andere, warum Geschichte und Orte bis heute die Menschen bewegen.
UNESCO-Jubiläen in Weimar
Weimar zählt zu den bekanntesten Kulturstädten Deutschlands. Kaum ein anderer Ort vereint so viele prägende Kapitel deutscher Kulturgeschichte von der Klassik mit Herzogin Anna Amalia, Schiller und Goethe bis zur Zeit der Weimarer Republik mit Gropius und seiner bis heute wirkenden Bauhaus-Idee. Hier atmet man an jeder Ecke Literatur, Design und pure Genialität. Im Jahr 2026 rückt die Stadt gleich zwei UNESCO-Jubiläen in den Mittelpunkt.
Vor 30 Jahren wurden die Bauhausstätten in Weimar gemeinsam mit Dessau in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Was einst als radikales Experiment begann, zählt heute zu den bedeutendsten kulturellen Erben der Moderne. Die UNESCO würdigte damit nicht nur die Architektur, sondern vor allem die Idee des Bauhauses: Kunst, Handwerk und Gestaltung neu zu denken und für den Alltag zugänglich zu machen. Viele dieser Ansätze prägen bis heute, wie Menschen leben und wohnen.
Die Bauhaus-Universität Weimar, die Klassik Stiftung Weimar und die weimar GmbH widmen dem Jubiläum ein umfangreiches Programm aus Ausstellungen, Veranstaltungen und Vermittlungsformaten. Einer der Höhepunkte ist der UNESCO-Welterbetag am 7. Juni 2026. Unter dem bundesweiten Motto „Gemeinsam für Frieden und Verständigung“ öffnen die Welterbestätten in Weimar ihre Türen für Sonderführungen, Ausstellungen und weitere Aktionen. Ergänzt wird das Programm unter anderem durch Jubiläumsausstellungen im Bauhaus-Museum Weimar sowie thematische Bauhaus-Spaziergänge durch die Stadt.
Das Bauhaus-Jubiläum reiht sich in eine außergewöhnliche UNESCO-Geschichte Weimars ein. Mit dem 25-jährigen Jubiläum der Aufnahme von Goethes handschriftlichem Nachlass in das UNESCO-Weltdokumentenerbe und dem 1998 ernannten Ensemble ‚Klassisches Weimar‘ als UNESCO-Weltkulturerbe hat Weimar über die unterschiedlichen Epochen hinweg immer wieder Kulturgeschichte von internationaler Bedeutung hervorgebracht.
70 Jahre Lutherhaus in Eisenach
Seit 70 Jahren ist das Lutherhaus Eisenach ein Museum, seine Geschichte reicht jedoch über 700 Jahre zurück. Das historische Fachwerkhaus zählt zu den ältesten erhaltenen Gebäuden Thüringens und gilt als einer der zentralen Erinnerungsorte der Reformation. Es erinnert an die Zeit der Veränderungen Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts. Diese Zeit wurde auch durch Martin Luther geprägt, der sich während seiner Schulzeit 1498 bis 1501 im Haus aufhielt und knapp 20 Jahre später während seines Aufenthalts auf der Wartburg die Bibel übersetzte. Heute verbindet das Museum originale Lutherstuben mit modernen Ausstellungsformaten und künstlerischen Positionen von Ai Weiwei. Sonderausstellungen wie „Erforschung und Beseitigung. Das kirchliche ‚Entjudungsinstitut 1939-1945“ sowie die verlängerte Impulsausstellung „Jugend, Gott und FDJ“ erweitern den Blick auf die Wirkungsgeschichte von Kirche, Staat und Gesellschaft. Dadurch ist die europäische Kulturerbestätte zu einem Ort geworden, an dem im lutherischen Sinne aktuelle Fragen nach gesellschaftlichem Wandel, Haltung und persönlicher Verantwortung das ursprüngliche Ausstellungsgefüge erweitern. lutherhaus-eisenach.com
65 Jahre Deutsches Gartenbaumuseum
Mitten im egapark Erfurt blickt auch das Deutsche Gartenbaumuseum 2026 auf ein besonderes Jubiläum. Als einziges Museum seiner Art in Deutschland widmet es sich auf rund 1.000 Quadratmetern vollständig der Geschichte der Gartenkultur. Seit 65 Jahren erzählt das Haus vom Wandel des Gartenbaus und damit auch von gesellschaftlichen Entwicklungen, Freizeitideen und dem Verhältnis der Menschen zur Natur.
Entstanden im Umfeld der Internationalen Gartenbauausstellung von 1961 verbindet das Museum heute historische Perspektiven mit aktuellen Fragen rund um Stadtgrün, Ernährung und nachhaltige Lebensräume. Untrennbar verbunden ist es mit dem egapark Erfurt, der es räumlich umgibt und zugleich thematisch erweitert. Der auch als „Garten Thüringens“ bezeichnete egapark ist ein wichtiges Zeitzeugnis der Gartenbaukunst der 1960er Jahre und entstand zwischen 1958 und 1961 für die iga.
Wie sich politischer Anspruch, architektonische Gestaltung und gesellschaftlicher Alltag auf der „Internationalen Gartenbauausstellung der sozialistischen Länder“ der DDR in Erfurt überlagerten, zeigt im Jubiläumsjahr (ab 14. August) die Sonderausstellung „iga*61. Die DDR durch die Blume“. gartenbaumuseum.de
Welche Geschichten Thüringens Museen darüber hinaus erzählen, zeigt der Einblick in die Thüringer Museumslandschaft unter thueringen-entdecken.de.


