Gesellenbrief anno 1785: ein Jagdpatent bereichert die Friedensteinsche Sammlung
Ab sofort bis 31. Mai 2026 – Schloss Friedenstein Gotha, Kirchgalerie
Die Sammlung der Friedenstein Stiftung ist um ein Blatt reicher. Dank des Freundeskreises Kunstsammlungen Schloss Friedenstein e.V. hat ein Jagdpatent von 1785 seinen Weg auf den Friedenstein gefunden.
Es handelt sich um einen prunkvoll verzierten Gesellenbrief, der auf den ersten Blick wie ein feiner Kupferstich wirkt. Auch im Kunsthandel galt das Patent als „Stich auf Pergament“ – als ein Druck von mehreren also. Doch tatsächlich handelt es sich um eine einzigartige, einen Stich nachahmende Federzeichnung – wie auch bildgebende Untersuchungen im Rahmen des Projekts „Gotha transdigital“ zeigen.
Die Urkunde und die Dokumentation der Untersuchung ist ab sofort in der Kirchgalerie im Nordflügel (1. OG) von Schloss Friedenstein Gotha zu sehen und wird noch bis zum 31. Mai 2026 ausgestellt.
Nähere Informationen zu der Graphik und ihrer Untersuchung
Das Jagdpatent
Mit dem Jagdpatent aus Arlesberg im Amt Schwarzwald bescheinigt Johann Christoph Braun (tätig 1759 – 1798), ein Lehrprinzipal im Dienst eines Herzoglichen Sächsisch-Gothaischen Kammerherrn, dass Johann Jacob Kühn (tätig 1785 – 1811) seine dreijährige Ausbildung in Jagd- und Forstwissenschaften bestanden hat. Eine prunkvolle florale Ornamentik mit sächsischem Wappen, Jagdszenen, Schloss- und Stadtansichten, rahmt den schriftlichen Inhalt der Urkunde ein.
Derlei Gesellenbriefe zeugen von dem funktionierenden Staat Sachsen-Gotha-Altenburg und demonstrieren, dass Hofbedienstete selbst ausbildeten, um Nachwuchskräfte zu gewinnen. Braun war dabei offenbar sehr erfolgreich: Sein Schüler Kühn wurde ab 1809 Jäger in Laucha und Elgersburg sowie Grenzförster in Manebach.
Mit moderner Technik der Herstellung auf der Spur
Mit dem Mikroskop Keyence VHX-700 ist es möglich, die Linien auf dem Jagdpatent bis zu 600-fach zu vergrößern und die Oberflächenstruktur des Bildträgers als 3D-Modell zu visualisieren. Durch folgende Merkmale lässt sich ein Stich von einer Zeichnung unterscheiden:
Die Taille der Linie
Die Linien eines Kupferstichs haben in der Vergrößerung charakteristische Merkmale: Beim Gravieren einer Kupferplatte, also beim Eingraben einer Linie mit einem Grabstichel, wird das Material der Platte an dieser Stelle in Form eines Spans abgehoben. Der An- und Abstich sind entsprechend spitz zulaufend, die Linie selbst ist dicker. Man spricht von einer Taille. Die Linien im Jagdpatent aber weisen eine unregelmäßige Kontur und keine spitzen Enden auf.
Die Wässrigkeit der Tinte
Die Tinte für einen Druck muss eine bestimmte, dicke Konsistenz besitzen, um in den feinen Linien einer Kupferplatte haften zu bleiben. Beim Druck ergeben sich dann im Idealfall gleichmäßig pigmentierte Linien. Zeichnet man jedoch Linien mit einer Feder, ist das Bindemittel wässriger. Im Detail wirken die Linien unregelmäßiger gefärbt. Kreuzt man eine Linie, so trägt man zusätzlich Farbe auf und die Linien werden an den Punkten ihrer Überschneidung farblich intensiver und breiter. All diese Merkmale finden sich bei dem untersuchten Jagdpatent.
Das Projekt „Gotha transdigital“ wird aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und dem Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) gefördert.

