Kulturstiftung Thüringen fördert zwei starke künstlerische Stimmen aus Gotha und Weimar

Foto: © Gotha-Aktuell
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Wie schaffen Menschen Heimat, wenn ihr Land verschwunden ist? Diese Frage stellt sich Leila Keivan, der am gestrigen Dienstag eines von zwei Thüringer Landesstipendien für Bildende Kunst verliehen wurde. Die im Iran geborene Künstlerin will im Lauf des einjährigen Stipendiums, das die Kulturstiftung Thüringen gemeinsam mit der SV SparkassenVersicherung vergibt, Menschen aus der zweiten DDR-Generation und heute in Thüringen lebende Migranten befragen. „Auf den ersten Blick scheinen diese beiden Gruppen mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten zu haben“, erklärt Leila Keivan. Doch beide teilen nach Auffassung der Künstlerin die Erfahrung von Verlust und Entfremdung und fühlen sich an den Rand gedrängt. Mit ihrem Projekt will die Absolventin der Bauhaus-Universität Weimar hinschauen, mit den Thüringern ins Gespräch kommen und ihre Erfahrungen in einem Archiv zusammentragen. Adina Rösch, Museumsdirektorin des Museums Lyonel Feininger in Quedlinburg, war Teil der Auswahljury. Für sie liegt die Qualität des Projekts in der Verbindung von künstlerischer Forschung und gesellschaftlicher Relevanz: „Die Arbeit macht sichtbar, wie Geschichte im Alltag fortlebt, wie Zugehörigkeit verhandelt wird und wie Kunst zu einem Ort werden kann, an dem komplexe Erfahrungen ernst genommen werden.“

Das zweite mit 10.000 Euro dotierte Stipendium erhält Bettina Schünemann. In Gotha, wo die Künstlerin heute lebt, war im 19. und 20. Jahrhundert ein Zentrum der Kartographie und Geographie. Was damals die Aufgabe von Landvermessern war, übernehmen heute Satelliten. Die Millionen Bilder, die diese täglich liefern, geben uns Orientierung und prägen, wie wir Menschen unsere Welt wahrnehmen. Bettina Schünemann spielt mit diesen Welt-Bildern, in dem sie digitale Orthofotos und analoge künstlerische Frottagen kombiniert. „Dabei möchte ich ergebnisoffen herangehen und in unterschiedlichen Techniken arbeiten“, erklärt die Künstlerin. Für Schünemann bedeutet das Stipendium nicht nur die Möglichkeit frei an einem Projekt zu arbeiten und zu experimentieren. „Das Landesstipendium ist auch eine große Anerkennung. Es gibt uns das Gefühl, dass die eigene künstlerische Arbeit gesehen wird.“

Kulturstaatssekretär Prof. Dr. Steffen Teichert, der die Urkunden mit übergab,  gratuliert den beiden Künstlerinnen: „Die ausgezeichneten Projekte zeigen eindrucksvoll, wie zeitgenössische Kunst gesellschaftliche Fragen aufgreift und neue Perspektiven auf Geschichte und Gegenwart eröffnet. Mit den Landesstipendien in langjähriger ausgezeichneter Zusammenarbeit mit der SV SparkassenVersicherung wollen wir Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit geben, konzentriert zu arbeiten, neue Ideen zu erproben und künstlerische Vorhaben umzusetzen. Zugleich sind die Stipendien ein wichtiges Zeichen der Anerkennung für ihre Arbeit. Gerade in einem zunehmend ökonomisch geprägten Kulturbetrieb ist es auch eine Aufgabe der Kulturpolitik, unabhängige künstlerische Positionen zu stärken und ihnen die nötigen Freiräume zu sichern.“

Katja Lipfert, Vorständin der Kulturstiftung Thüringen überreichte indes fünfzehn weiteren Künstlerinnen und Künstlern Arbeitsstipendien. In den Bereichen Bildende Kunst, Medienkunst/Bewegtbild sowie Musik stößt die Kulturstiftung Thüringen damit etwa die Gründung eines Pop-Chors in Jena oder Filmprojekte wie das der Weimarer Filmemacherin Chiara Fleischhacker an.

Übersicht der Arbeitsstipendien

Medienkunst/Bewegtbild

–    Chiara Fleischhacker, ADMIRALIN

–    Paloma Joana Llambías Ottone, Eine chilenische Hexe tanzt auf dem Brocken

–    Thomas Taube, ABERMILLIONEN

–    Florian Wehking, Frisuren wie Landschaften (AT)

Musik

–    Karl Epp, Into the Woods

–    Tim Helbig, fragile commons (echos) – neue Klanginstallation.

–    Jessica Kaiser, Resonanzräume Thüringen – Musik im Wandel

–    Peter Helmut Lang, Aelinon – Komposition eines neuen Kammermusik-Werks

–    Maximilian Lörzer, „Lumina – Popchor der Stadt Jena“

Bildende Kunst

–    Rodrigo Arteaga, Die Musik der Cyanobakterien

–    Natalia Castillo Rincón, Räume lesen

–    Susan Donath, Das zerbrochene Glas

–    Annekatrin Lemke, Architektur als Erinnerung – Thüringer Baukultur zwischen Bauhaus und Plattenbau

–    Till Röttjer, Transiens

–    Heike Stephan, Zeitzeichen … Die Kunst Übergänge zu gebrauchen

Weitere Informationen zu den Landesstipendien für Bildende Kunst und den beiden Stipendiatinnen finden Sie unter
www.thueringer-landesstipendien.de

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