Johann Georg Ziesenis (1716 – 1776), Prinzessin Marie Charlotte Amalie von Sachsen-Meiningen, Öl auf Leinwand, 142 x 100 cm, Foto: Lutz Ebhardt
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Aufgeklärte Stickerin – Ankauf eines Porträts der Prinzessin Marie Charlotte Amalie von Sachsen-Meiningen für Schloss Friedenstein

Aufgeklärte Stickerin – Ankauf eines Porträts der Prinzessin Marie Charlotte Amalie von Sachsen-Meiningen für Schloss Friedenstein

Entspannt, offen und zugewandt schaut Marie Charlotte Amalie von Sachsen-Meiningen aus ihrem Porträt auf die Betrachter*innen. Elegant gekleidet sitzt sie auf einem Sessel und stützt sich mit verschränkten Unterarmen auf ihren Stickrahmen. Vor ihr auf dem Rahmen liegt das geöffnete Garnkästchen. Abgesehen von der aufwendigen Kleidung vermittelt das Porträt den Eindruck eines fast intimen Momentes der privaten Konversation, der sich deutlich unterscheidet von dem offiziell-repräsentativen Charakter früherer Fürstenporträts. Dieser Bildtypus des „höfischen Privatporträts“ kam in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert, im Zeitalter der Aufklärung, an deutschen Höfen in Mode und war eine Spezialität des Porträtmalers Johann Georg Ziesenis (1716 – 1776), der für verschiedene deutsche Fürstenhöfe tätig war.

Zum Zeitpunkt der Entstehung des Bildes steht die Prinzessin kurz vor einem entscheidenden Schritt in ihrem Leben, sie wird Prinz Ernst, den späteren Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg heiraten und bis zu dessen Tod im Jahr 1804 auf Schloss Friedenstein leben. Sie bekommt drei Söhne, von denen der älteste stirbt und der mittlere der schillernde Herzog August werden wird: Künstler, Bewunderer Napoleons, Fashionvictim und verantwortlich für herausragende Sammlungszuwächse auf dem Friedenstein.

Marie Charlotte Amalie gilt als gebildete Fürstin der Aufklärung, die die naturwissenschaftlichen Interessen ihres Mannes, vor allem auf dem Gebiet der Astronomie, unterstützt und selbst mit führenden Wissenschaftlern ihrer Zeit korrespondiert. Nach dem Tod des Herzogs verlässt sie gemeinsam mit dem Hofastronomen Franz Xaver von Zach Gotha und lebt mit ihm mehrere Jahre in Marseille und Genua, wo sie 1827 stirbt.

Die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha konnte kürzlich dank der Unterstützung des Freundeskreis Kunstsammlungen Schloss Friedenstein Gotha e.V. auf dem deutschen Kunstmarkt das Gemälde Marie Charlotte Amalies aus dem Besitz der Nachfahren Bernhard von Lindenaus stammt, der am Gothaer Hof eine bedeutende Rolle spielte, erwerben. Es handelt sich um eine deutlich vergrößernde Wiederholung eines Gemäldes im Besitz der Staatlichen Museen zu Berlin, Gemäldegalerie. Das Gemälde ist jetzt im Rundgang durch die historischen Räumlichkeiten auf Schloss Friedenstein für die Besucher*innen zu sehen.

Für die Sammlungen bedeutet der Erwerb des Porträts eine wichtige Ergänzung, wie Dr. Timo Trümper, Direktor Wissenschaft und Sammlungen auf Schloss Friedenstein, betont: „Aus kunsthistorischer Sicht ist die hohe malerische Qualität des Gemäldes hervorzuheben, die sich vor allem in der Darstellung verschiedener stofflicher Details zeigt. Darüber hinaus sind sowohl die dargestellte Mode als auch die Tätigkeit des Stickens als Sinnbild weiblicher Tugend eine wunderbare thematische Ergänzung im Kontext der Kulturgeschichte und Residenzkultur.“

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