Saisoneröffnung der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten mit Verleihung des Vulpius-Preises
Mit einem Empfang in der Erfurter Peterskirche hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) am 28. Mai die Saison für Ihre 31 Kulturdenkmale eröffnet. Unter dem Motto „Open Air Geschichte(n)“ standen historische Gärten, ihre Pflege und ihr touristisches Potential im Mittelpunkt. Die Festrede „Wo Geschichte wächst und Zukunft Pflege braucht“ hielt Prof. Dr. Christian Antz vom Deutschen Institut für Tourismusforschung in Heide. Mit ihrem Mäzenatenpreis, dem Christian-August-Vulpius-Preis, ehrte die STSG in diesem Jahr die Denkmalpflegerin und Forscherin Dr. Angela Schumacher.
Christian Tischner, Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur und Vorsitzender des Stiftungsrats der STSG, hob im Zusammenhang mit der Saisoneröffnung die Rolle von Gartendenkmalen hervor: „Mindestens ebenso wie ihre Schlösser schätzen die Thüringerinnen und Thüringer ihre historischen Parks und Gärten. Sie sind wichtige Orte regionaler Identität und Bildung. Gleichzeitig haben sie große Bedeutung für den Tourismus und ziehen Besucherinnen und Besucher aus nah und fern an. Zugleich machen die Gartendenkmale deutlich, wie empfindlich und schutzbedürftig unser kulturelles Erbe ist – und wie wichtig die kontinuierliche Arbeit von Fachinstitutionen wie der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten für Pflege und Erhalt dieser Anlagen ist und bleibt.“
Dr. Doris Fischer, Direktorin der STSG, betonte: „Die Gartendenkmalpflege und ihre Vermittlung gehört zu unseren zentralen Aufgaben als Schlösserverwaltung. In ganz Thüringen tragen wir Verantwortung für insgesamt rund 330 Hektar wertvollste historische Gartenkunstwerke von überregionaler Strahlkraft. Es sind Kulturschätze und zugleich Schatzkammern der Artenvielfalt. Gerade die besonders sorgfältige denkmalgerechte Pflege schafft Lebensräume für seltene Arten. Allerdings erleben wir in den letzten Jahren in den Gärten auch besonders deutlich, dass die Folgen des Klimawandels Gartenkunst und Natur an ihre Grenzen bringen. Die Aufwendungen allein für Baumpflege haben sich inzwischen vervierfacht – das bringt uns personell und finanziell in Bedrängnis.“
Gemeinsam mit den anderen deutschen Schlösserverwaltungen arbeitet die STSG am Umgang mit den Folgen des Klimawandels. Trockenheit, Starkregen und Stürme setzen den Gartendenkmalen überall sichtbar zu. In gemeinsamen Forschungsprojekten werden Fragestellungen wie Nachzucht von Bäumen aus Genmaterial von Altbäumen, der Einsatz wasserspeichernder Bodensubstrate, ein nachhaltiges Wassermanagement und vieles mehr erprobt und ausgewertet. Die Ergebnisse kommen Parks und Gärten in ganz Deutschland zugute (www.klimaanpassung-gartendenkmal.de).
Zum Bestand der STSG gehören große Landschaftsparks wie der Schlosspark Altenstein in Bad Liebenstein, der Fürstlich Greizer Park oder der Schlosspark Sondershausen. Zu den Raritäten gehören der Englische Garten im Herzoglichen Park Gotha als neben Wörlitz ältester Park nach englischem Vorbild auf dem europäischen Festland, die vielfältigen Dornburger Schlossgärten hoch über dem Saaletal und der Terrassengarten von Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden. Historische Orangeriekultur wird beispielsweise in der Herzoglichen Orangerie Gotha, im Schlosspark Molsdorf und im Fürstlich Greizer Park gepflegt.
Neben der kontinuierlichen Pflege von Gehölzen, Schmuckbeeten, Wegen, Rasenflächen und exotischen Kübelpflanzen prägen auch immer wieder große Sanierungsprojekte die gartendenkmalpflegerische Arbeit der STSG. Im vergangenen Jahr wurden beispielsweise Gewässerentschlammungen im Fürstlich Greizer Park, im Schlosspark Molsdorf und im Schlosspark Altenstein abgeschlossen, und in den Dornburger Schlossgärten wurde in den vergangenen Jahren ein Bewässerungssystem aufgebaut.
In den vergangenen Jahren hat die STSG ihre Vermittlungsarbeit in den Parks und Gärten verstärkt. Neben allgemeinen und thematischen Führungen hält sie für einige Gartendenkmale Multimediaguides in einer App zur Nutzung auf dem eigenen Smartphone bereit (guide.thueringerschloesser.de). Im Schlosspark Altenstein und in den Dornburger Schlossgärten können Familien und Kindergruppen Entdeckerrucksäcke ausleihen. Aktuelle Sonderausstellungen widmen sich der historischen Gartenkultur. So ist im Kirms-Krackow-Haus in Weimar die Ausstellung „Flowerpower Biedermeier. Grüne Revolution um 1820“ zu sehen. In der Herzoglichen Orangerie Gotha zeigt die STSG gemeinsam mit dem Orangerie-Freunde Gotha e.V. die Ausstellung „Zitrus, Kamelien, Ananas. Orangeriekultur im Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha“. Auch in diesem Jahr lädt die Peterskirche in Erfurt wieder mit der multimedialen Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“ zum Eintauchen in die facettenreiche Gartenkunst Thüringens ein.
Christian-August-Vulpius-Preis
Den Christian-August-Vulpius-Preis verlieh die STSG in diesem Jahr zum 21. Mal. Preisträgerin ist mit Dr. Angela Schumacher eine Denkmalpflegerin im Ruhestand, die sich in den vergangenen Jahren um die Erforschung von Schloss Schwarzburg verdient gemacht hat. Sie hat sich mit dem umfangreichen Bestand an Plänen und Archivalien zum Umbau von Schloss Schwarzburg zum Reichsgästehaus unter den Nationalsozialisten auseinandergesetzt, der 1940 begann und 1942 eine Bauruine hinterließ.
Laudator Dr. Heinz Buri vom Sachverständigen Beirat der STSG würdigte das Wirken der Wissenschaftlerin: „Frau Dr. Schumacher hat sich in den letzten fünf Jahren ehrenamtlich und mit unglaublicher Akribie und Ausdauer intensiv mit den Akten und Planunterlagen zum Umbau von Schloss Schwarzburg aus den 40er Jahren beschäftigt. Ergebnisse ihrer Arbeit konnten konkret genutzt werden. Die Stiftung konnte daraus beispielsweise 3D-Modelle zum Zustand der Schwarzburg vor und nach dem Umbau entwickeln.“ Die Ergebnisse werden publiziert und liefern zudem Inhalte für die Nutzung von Schloss Schwarzburg als außerschulischer Lernort, ein bundesgefördertes Bildungsprojekt der STSG.
Kulturminister Tischner sagte dazu: „Das ehrenamtliche Engagement von Frau Dr. Schumacher ist ein schönes Beispiel dafür, wie eng wissenschaftliche Forschung und Bildung miteinander verbunden sind. Die von ihr geschaffene Grundlage kommt nun unmittelbar den Bildungsangeboten an diesem besonderen außerschulischen Lernort zugute.“
Bei ihrer Arbeit wird die STSG immer wieder durch Fördervereine und Einzelpersonen unterstützt – ein wertvolles bürgerschaftliches Engagement, das zur Erhaltung der Bau- und Gartendenkmäler beiträgt und die tiefe Verbundenheit der Menschen mit den Kulturdenkmälern verdeutlicht. Mit der Verleihung des Vulpius-Preises, benannt nach dem Schriftsteller Christian August Vulpius, würdigt die STSG regelmäßig besonderes ehrenamtliches Engagement.
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