Vom Angebot zum Reiseerlebnis: Thüringens Tourismusbranche richtet sich neu aus
Thüringen stellt Tourismusstrategie 2035 vor: Qualität und vernetzte Reiseangebote im Fokus
Thüringen richtet seine Tourismuspolitik für die kommenden zehn Jahre neu aus. Mit der vom Thüringer Kabinett verabschiedeten Tourismusstrategie Thüringen 2035 sollen touristische Angebote stärker miteinander verknüpft, die Qualität verbessert und digitale Möglichkeiten konsequenter genutzt werden. Ziel ist dabei nicht allein eine höhere Gästezahl, sondern vor allem eine steigende touristische Wertschöpfung im Freistaat.
Die Thüringer Tourismus GmbH (TTG) koordinierte im Auftrag des Landes den Beteiligungsprozess. In mehr als 20 Workshops brachten Vertreter aus Kultur, Natur, Städten, Regionen und weiteren Bereichen ihre Erfahrungen und Vorstellungen ein.
Reiseerlebnis statt einzelner Angebote
Ein zentraler Ansatz der Strategie ist die stärkere Vernetzung touristischer Leistungen. Kulturveranstaltungen sollen beispielsweise mit passenden Übernachtungsmöglichkeiten verbunden werden, Naturerlebnisse mit Gastronomie und Städte stärker mit ihrem Umland.
„Der Gast denkt schließlich nicht in Zuständigkeiten. Er möchte Kultur erleben, Natur genießen, gut essen und eine passende Unterkunft finden“, erklärt TTG-Geschäftsführer Christoph Gösel. Entscheidend sei deshalb, einzelne Angebote zu einem zusammenhängenden Reiseerlebnis zu verbinden.
Eine wichtige Grundlage bildet dabei die Thüringer Content Architektur Tourismus (ThüCAT). In ihr werden touristische Informationen strukturiert erfasst und für unterschiedliche digitale Anwendungen verfügbar gemacht. Neben einer hohen Datenqualität soll künftig insbesondere die einfache Buchbarkeit stärker in den Mittelpunkt rücken. Als Ideal nennt die Strategie ein Zwei-Klick-Prinzip von der Entscheidung bis zur Buchung.
Qualität soll über Sichtbarkeit entscheiden
Auch die touristische Vermarktung soll stärker auf Qualität und konkrete Reiseanlässe ausgerichtet werden. Statt möglichst viele einzelne Angebote zu präsentieren, sollen solche Produkte stärker sichtbar werden, die gemeinsam ein überzeugendes Reiseerlebnis ermöglichen.
Wichtige touristische Anker bleiben Wartburg und Rennsteig sowie Erfurt und Weimar. Ergänzend sollen weitere hochwertige Angebote und die mehr als 50 bestehenden Markenbotschafter Thüringens stärker eingebunden werden.
Drei Markenstärken sollen das touristische Profil des Freistaates prägen: „Natur als Resonanzraum“, „Persönlichkeiten als Ideengeber und Quelle geistiger Inspiration“ sowie „Räume, die Geschichten tragen“. Auch die traditionelle Bezeichnung Thüringens als „Grünes Herz Deutschlands“ bleibt Bestandteil der Kommunikation.
Sechs Entwicklungsfelder bis 2035
Die Strategie konzentriert sich auf sechs Bereiche: Produkt, Betriebe, Digitalisierung, Finanzierung und Organisation, Marketing sowie Mobilität. Qualität bildet die übergreifende Grundlage.
Bei den touristischen Betrieben stehen unter anderem Fachkräftesicherung, Qualifizierung, Wirtschaftlichkeit und Unternehmensnachfolge im Mittelpunkt. Im Bereich Mobilität sollen insbesondere Anreise, öffentlicher Verkehr und die sogenannte letzte Meile besser miteinander verbunden werden.
Die Strategie versteht sich dabei nicht als starres Konzept. Die Umsetzung soll regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst werden.
Tourismusumsatz soll auf 5,42 Milliarden Euro steigen
Bis 2035 hat sich Thüringen konkrete Ziele gesetzt. Der touristische Bruttoumsatz soll nominal um 30 Prozent auf 5,42 Milliarden Euro steigen. Die Zahl der Übernachtungen soll auf rund 10,55 Millionen wachsen.
Gleichzeitig soll die Bettenauslastung von derzeit 34,5 auf 39,5 Prozent steigen. Verbesserungen werden außerdem bei Gästezufriedenheit, Weiterempfehlungsrate und der Zahl barrierefrei zertifizierter Angebote angestrebt.
Der praktische Startschuss für die Umsetzung fällt bei den Thüringer Tourismustagen am 28. und 29. September 2026 in Bad Blankenburg. Dort wird die Tourismusstrategie der Branche vorgestellt.
Link zur Strategie: wirtschaft.thueringen.de
Eine Zusammenfassung finden Sie auch unter: www.thueringer-tourismus.gmbh


