Gotha: Professor Wolfgang Benz spricht im Tivoli über Zeugen Jehovas als NS-Opfer
Wolfgang Benz referiert erneut im Gothaer Tivoli
Der langjährige Leiter des Instituts für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, Professor Wolfgang Benz, spricht am Dienstag, 29. September, um 19 Uhr im Gothaer Tivoli, Am Tivoli 3, über die Verfolgung der Zeugen Jehovas in der NS-Zeit, die sich wie keine andere Religionsgemeinschaft mit einer enormen Unbeugsamkeit dem Anpassungsdruck des NS-Regimes widersetzten. Der Eintritt zu dieser von der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte geförderten Veranstaltung ist frei.
Die Zeugen Jehovas, auch Bibelforscher genannt, gehörten zu den allerersten Opfern der Nazi-Herrschaft. Viele von ihnen mussten ihre Überzeugung mit dem Leben bezahlen. In völkisch-nationalistischen Kreisen machte sie nicht nur ihre radikale Absonderung von Staat und Gesellschaft, sondern auch ihre Fixierung auf alttestamentarische Schriften schnell verdächtig. Die Bekämpfung der religiösen Verächter deutscher Ordnung wurde daher gleich nach der Machtübernahme durch die Nazis 1933 staatspolitisches Programm.
Eine Gemeinschaft, die den „deutschen Gruß“ ebenso wie das Wählen ablehnte, konnte nicht toleriert werden. Ihre Verfolgung entwickelte sich ab 1933 zu einer Eskalationsspirale, die ihre Anhänger zu konsequenten Widerständlern machte.
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs verschärfte sich ihre Situation weiter, weil sie den Kriegsdienst kollektiv ablehnten. 2.000 Zeugen Jehovas wurden in Konzentrationslagern inhaftiert, fast 1.500 bezahlten ihren unerschütterlichen Glauben und ihre strikte Verweigerungshaltung mit dem Leben.

