Gotha: Informationsbericht des Oberbürgermeisters zur Stadtratssitzung am 24. September 2026
Meine Damen und Herren,
heute am 267. Tag des Jahres, wo Tag und Nacht annähernd gleich lang sind, starten wir in eine wichtige Sitzung. Es ist gerade jetzt die Zeit des „Güldenen Herbst“ und „Gotha glüht“, das könnte man übrigens in vielfacher Hinsicht sagen. Der 24. September ist historisch gesehen ein wichtiger Tag, denn im Jahr 1858 endete in Gotha der erste Kongress deutscher Volkswirte, der gleichzeitig den Beginn des Genossenschaftswesens markiert und nicht unwichtig ist in diesem Zusammenhang die Genossenschaftsidee, die seit dem Jahr 2016 durch die UNESCO zum „Immateriellen Kulturerbe der Menschheit“ erklärt worden ist – eine Idee, die in Gotha begann.
Am 24. September 1860 beendete Herzogin Marie von Sachsen-Coburg und Gotha, in Gotha, im Schloss Friedrichsthal, ihren Lebensweg, sie ist die Frau des Staatsgründers von Sachsen-Coburg und Gotha, dessen 200.Geburtstag wir in diesem Jahr feiern und anlässlich dessen wir am vergangenen Sonntag mit einer großen Oldtimerausfahrt in Coburg waren. Und wir erinnern an den Demokraten Georg Appell, der heute vor 125 Jahren in Gotha geboren worden ist und nach dem II. Weltkrieg zu den Sozialdemokraten gehörte, die der erste Thüringer Ministerpräsident Hermann Brill in sein Kabinett holte. Er gehörte der Thüringer Landesregierung mehrere Jahre an, bis er von den Kommunisten aus dem Amt gedrängt worden ist.
Der 24. September ist somit sprichwörtlich ein historischer Tag für Gotha und animiert uns heute zu guten Beschlüssen.
Millionen für den Friedenstein
Die im Beschluss des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages vom Herbst 2016 beschlossenen 110 Millionen Euro für die Sanierung vom FRIEDENSTEIN Gotha sind am 3. September 2026 durch den Kulturstaatsminister Weimer in Gotha offiziell übergeben worden. Die Übergabe kam zustande, weil der Minister Ehrengast der hochkarätigen Ausstellungseröffnung „Rembrandt 1632. Die Entstehung einer Marke“ im Herzoglichen Museum in Gotha war.
Zur Einschätzung seines Besuches in Gotha schrieb der Staatsminister ins Goldene Buch:
„Keine Zukunft ohne Herkunft! Möge Friedenstein ein leuchtender Stein unserer Herkunft, den Weg des Friedens, der Kultur, der Neugier und der Weltoffenheit weisen.“
Die Erwartungen des Bundes und der Stadt Gotha sind hoch, dass die Bauherrin in Kürze sichtbare Zeichen des Sanierungsfortschrittes aufzeigt und dass die Räume im Westflügel früher als bisher geplant für die einzigartigen Kollektionen der Friedensteinschen Kunst- und Natursammlungen zur Verfügung gestellt werden können. Wir in Gotha können Landes- und Reichsgeschichte an einem nationalen Standort präsentieren, wie dies nur an wenigen Orten in Deutschland möglich ist.
Hauptbahnhof Gotha im Gunstraum Thüringen
Die Arbeiten am Hauptbahnhof Gotha gehen planmäßig voran, bisher konnten 5 Baulose (Bauüberwachung, Baustelleneinrichtung, Abbruch, Baustellenüberwachung und Verbau mit Spezialtiefbau) vergeben werden, im Oktober folgt das Los Tiefbau und einen Monat später das Los Rohbau. Weitere 12 Lose sind in der Ausschreibungsvorbereitung. Gleichzeitig werden die Lichtinstallation und der Umbau des Blindenleitsystems vorbereitet. Alle Arbeiten geschehen in enger Abstimmung mit der Deutschen Bahn.
Für den Karlsplatz erarbeitet die Stadtverwaltung derzeit eine zukünftige Verkehrsführung, um eine effektivere Routennutzung vorzusehen. Gleichzeitig bereiten wir Konzepte für eine umfassende Parkraumschaffung und Parkraumbewirtschaftung vor.
Klimaanpassung, Hitzeschutz, Entsiegelung, Starkregenvorsorge und klimaresiliente Stadtentwicklung in der Stadt Gotha
Fragen zu diesem Thema werden im Grün- und Freiraumkonzept der Stadt Gotha, welches am 23.10.2024 einstimmig beschlossen wurde, entschieden. Darin werden konkrete Analyseergebnisse zu Bereichen mit starker Hitzeentwicklung gegeben, vulnerable Gruppen inkl. Verortung dieser im Stadtgebiet aufgezeigt und konkrete Empfehlungen zum Thema Schwammstadt und Blue-Green-Cities gegeben. Detailliert werden Bodenwasser, Grundwasserfluranbindung, Versiegelung, Hitzestress, Verkehrsbelastung und Streusalzbelastung abgrenzungsgenau aufgearbeitet und mit Handlungsempfehlungen versehen. Maßnahmen wurden definiert, an denen die Stadt arbeitet – Stichwort Flutgraben und Beschattungsfragen von öffentlichen Plätzen im Rahmen des SPD-Antrages. Zur Umsetzung sind alle Fraktionen herzlich eingeladen. Das Gartenamt stand mehrfach für vielerlei Fragen auch im öffentlichen Raum für jedermann zur Verfügung. Das Konzept gibt auf eine Vielzahl der Fragen bereits umfangreiche Antworten. Hinzu kommen die Analyseergebnisse und Empfehlungen aus dem Klimaanpassungskonzept des Landkreises Gotha. Auch hier war die Stadt in den Arbeitsgruppen zur Erstellung des Konzeptes stets vertreten und berücksichtigt die entsprechenden strategischen Ansätze für die Umsetzung von Maßnahmen. Des Weiteren sind die durch das TLUBN veröffentlichten Starkregenkarten mit ihrem Erscheinen im öffentlichen Geodateninformationssystem stetiger Begleiter der Bauleiter und Planer. Auch das ReKIS gibt hier Hilfestellung und gibt den Ansatz: „Klimaanpassung beginnt selten mit einem Konzept, sondern damit, Möglichkeiten zu erkennen und ins Handeln zu kommen“. Genau an diesem Punkt stehen wir gerade.
Attraktive Altstadt Gotha
Dienstleistungen und Service am Kunden, das sind die Zauberworte der Zukunft für die Altstadt Gotha, alles, was man nicht im Netz kaufen kann, hat an diesem Standort eine großartige Zukunft. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass sich normales Einkaufen und die Suche nach Artikeln verabschieden werden, gastronomische Angebote, aber auch Beratung und Dienstleistungen sind nachgefragt.
Es trägt nicht zur Verkaufsförderung und Marktbelebung bei, wenn andauernd in den Medien Gerüchte gestreut werden, dass Geschäfte schließen, weil das der Volksmund behauptet. Es ist schlimm genug, wenn Geschäfte schließen, dass muss nicht durch Falschbehauptungen noch befeuert werden. Wir sehen DEPOT geht, Umbau erfolgt, sofort neue Nutzer. Wir wissen Informhaus geht, kein Nachnutzer gefunden, neues Angebot wird ins Geschäft zum April einziehen. Wir wissen NORDSEE geht, neuer Nachmieter schon gefunden.
Wir bereiten derzeit zwei Aktionen vor, um ab Frühjahr 2027 die Kundschaft in der Altstadt noch besser von Markt zu Markt zu führen, wir werden heute Beschlüsse fassen, um das Marktwesen effektiver zu platzieren, damit einfach mehr Angebote in Gotha stattfinden, und das geht es nicht in erster Linie um Standgelder, sondern um Vielfalt. Flohmärkte einmal im Monat am Samstag, Konzentration der Vielfalt der Veranstaltungen auf die Altstadt, neben Gotharusfest, Gotha glüht und Weihnachtsmarkt noch einen Rummelplatz Gotha im Juni/Juli, neben den in diesem Jahr gut angenommen Angeboten der „Gothasür“, die durch die Stadtwerke Gotha Energie und die Kreissparkasse Gotha finanziert worden sind, damit sie kostenlos angeboten werden konnten. Dafür gebührt beiden Unternehmen herzlicher Dank!
Auch die Ideen des Stadtrates sind gefragt und gern gehört und alte Argumente wie „Es gibt keine Parkplätze.“ sind so alt wie die erste urkundliche Erwähnung Gothas und führen nicht zum Erfolg.
Zum Erfolg führt hingegen eine Baumaßnahme der Baugesellschaft, die das Wohnquartier Jüdenstraße/Klosterplatz/Augustinerstraße aufwertet, denn wer in der Altstadt gern wohnt, nimmt auch gern die Angebote wahr.
Glasfaser-Pilotstadt Gotha
Ich kann die Straßen schon gar nicht mehr alle aufführen, wo in Gotha derzeit überall ein Glasfaseranschluss verlegt wird. Gotha ist eine von zwei Städten in Deutschland wo TELEKOM und KOMMUNE den Ausbau rasant voranbringen.
So sind in Gotha bereits 31 Straßenzüge fertiggestellt, 5 Straßenzüge sind teilweise bereits fertiggestellt, in vierzehn Straßenzügen wird gebaut und vier Straßenzüge werden für den Ausbau vorbereitet. Ja, ich weiß, die Bürgersteige sind noch nicht in dem Zustand wiederhergestellt, wie wir es uns wünschen, ich kann aber versichern, wir arbeiten mit großem Nachdruck daran, auch dieses Problem zu beseitigen. Ich bin sicher, dass uns diese neue Qualität Arbeitsplätze schafft und die Wohnsituation weiter verbessert.
Radeln in Gotha
Der lang ersehnte Anschluss der Ortschaft Uelleben an das Radwegenetz der Stadt Gotha ist gelungen, man kann auf mehreren Routen nun von Gotha nach Uelleben und von Uelleben ins Gewerbegebiet oder zum Einkaufen am Lindenhügel fahren, das Südbad mit dem Rad nutzen usw. Dass wir auch Siebleben nicht vergessen, beweisen wir mit der Auftragsvergabe für den Radweg im Bergweg, auf einer Länge von 1.800 Metern wird der Sportplatz angeschlossen sowie der Weg bis zur Bahnunterführung mit Fräsgut ausgebaut. Mit Baukosten in Höhe von 300.000€ aus der Klimapauschale gelingt uns dieser Ausbau.
Wirtschaftlich starkes Gotha
Gothaer Unternehmen machen auf sich aufmerksam und haben unter anderem zur Ausbildungsbörse des Landkreises Gotha, aber auch zum „Tag der offenen Firmen“ verstärkt Arbeitsplätze vorgestellt und an diesem Tag sogar Ausbildungsverträge abgeschlossen. Wie wichtig die Arbeitskräftesicherung ist, zeigt sich auch daran, dass vorige Woche die Thüringer Verwaltungshochschule Gotha mit einem „Tag der offenen Tür“ ihre Ausbildungsberufe vorgestellt hat – Gotha ist für die Mitte Deutschlands die Beamtenschule par exellence, denn Gothaer Beamte sind schlauer, als die vom Bund und westdeutschen Ländern!
Viele Gothaer Unternehmen haben volle Auftragsbücher, egal, ob in der Holz-, Metall oder Lebensmittelindustrie. Wir sind seitens der Stadtverwaltung mit Stadtplanung und Bauordnung gut darauf vorbereitet, gemeinsam mit den Unternehmen planungsrechtliche Sicherheit für große Investitionen zu schaffen.
Dafür haben wir mehrfach bereits Anerkennung erhalten wie unkompliziert und rechtssicher wir in Gotha arbeiten.
Große wirtschaftliche Herausforderungen stehen vor den städtischen Unternehmen, denn die hohe Leistungsfähigkeit der Gothaer Stadtwerke Gruppe, ehemals Kommunale Beteiligungen, ist auf zwei Unternehmen aufgebaut, die durch ihre Gewinnabführungen den Gesamtkonzern tragen. Aber gerade diese Unternehmen stehen vor riesigen Investitionen um die Klimawende zu schaffen, deshalb bemühen wir uns durch Gespräche mit Bund und Land für die Investitionen Förderungen zu erhalten. Wenn es uns nicht gelingt diese Förderungen und Finanzierungen zu erhalten, werden Leistungen wie Stadt-Bad und Tierpark nur noch sehr schwierig finanzierbar sein. Wir sind stark gefordert!
Schlagworte
Parkplatz am Tierpark geht zügig voran, Rückbau der Tribüne am Westring-Sportplatz läuft, neuer Wohnkomplex für ältere Menschen in der von-Zach-Straße durch private Bauherren eröffnet, Monitoring zum Wasserbedarf von Straßenbäumen hat im Rahmen unserer Klimaschutzmaßnahmen begonnen, „Tag des offenen Denkmals“ mit rund 1.000 Besuchern war ein voller Erfolg; die „Tage der Städtepartnerschaft“ mit Kielce und Martin waren als Austausch auf Fachebenen ebenfalls ein Erfolg; unser „Gotha-Film“ hat im Zeitraum von 7 Monaten auf Youtube über 6.000 Abrufe erhalten, ein tolles Ergebnis; von „Achava bis Halloween“ ist unsere Stadtbibliothek vom 2. bis 30. Oktober mit vielen interessanten Lesungen und Kinderprojekten dabei.
Ausblicke
250 Jahre nach der Premiere von „Romeo und Julia“ in deutscher Sprache in Gotha wird die Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach im Ekhoftheater das Werk wieder zur Aufführung bringen. Mit einem Festkonzert am 1. Oktober 2026 feiert unser Gothaer Orchester in der Stadthalle Gotha seinen 375. Geburtstag – wir gratulieren und danken recht herzlich für wunderbare Konzerte insbesondere im Friedenstein Open Air 2026.
Unser Jubiläumsjahr „1250 Jahre Gotha“ wollen wir mit einer neuen Filmpremiere „12 Monate in 50 Minuten“ am 25. Oktober 2026 im Cineplex-Kino abschließen, der Film ist danach über mehrere Wochen im Kino zu sehen. Wir verbinden die Filmpremiere mit der Vorstellung einer Sonderausgabe unseres Jahrbuches „Gotha illustre“, wo wir in Wort und Bild das Jubiläumsjahr noch einmal Revue passieren lassen. Wir danken den städtischen Unternehmen und der vor fast 160 Jahren in Gotha gegründeten THÜGA, dem größten kommunalen Energie- und Wasserdienstleistungskonzern in Deutschland, dass sie die Herausgabe dieses Jahrbuches ermöglichten.
Weiterer Ausblick
Für das Jahr 2027 planen wir im Rahmen unserer Partnerschaftsarbeit eine Reise des Stadtrates Gotha in die Partnerstädte Kielce und Martin, mit denen wir dann seit 30 Jahren verbunden sind. Ein Reisetermin ist derzeit in Abstimmung. Der Besuch der Partnerstädte in Gotha soll in der letzten Augustwoche vor dem letzten Konzert des Friedenstein Open Air 2027 erfolgen.
Zum Abschluss:
Die nächsten zwei Monate werden hart, sehr hart und der Schmied von Ruhla, der einst in der Sage rief „Landgraf werde hart“ würde 2026 sagen „Stadtrat bleibe hart und glaube der Verwaltung!“.
Mit einem Volumen von rund 108 Millionen Euro im Verwaltungshaushalt sowie 26 Millionen Euro im Vermögenshaushalt, sozusagen zusammen 134 Millionen Euro Investitionsmasse in die Zukunft unserer Stadt, bringen wir einen ausgeglichenen Haushaltsentwurf in den Stadtrat ein. Wir haben hart gerungen, haben gekürzt und Wünsche gestrichen, damit wir Großprojekte wie Straßenbau, Schulbau oder Hauptbahnhof finanzieren können.
Wir haben auch gekürzt und gestrichen, um eine Kreisumlagenerhöhung zu finanzieren, doch die angekündigte dramatische Erhöhung der Kreisumlage auf 24 Millionen Euro kann die Stadt Gotha nicht leisten, es sind 2 Millionen Euro mehr als in diesem Jahr. Ich kann nur wiederholen – der Kampf beginnt!
Während die Stadt Gotha etwa 60 Prozent Fördermittel einwirbt, hat der Landkreis eine Quote von unter 30 Prozent. Mehr Anstrengungen in diesem Bereich würden helfen, die Kreisumlage stabil zu halten oder sogar abzusenken, denn auch im Landratsamt werden die Personalkosten nicht ausgeschöpft, was durch eine Vielzahl von Ausschreibungen auf den Suchportalen zu vermuten ist.
Acht Millionen Euro geplant für freiwillige Leistungen, für Kultur, Sport und Vereine ständen dann zur Disposition und es müssten zwei Millionen Euro gestrichen werden, was zu schmerzlichen Verlusten führen würde, was die Lebensqualität unserer Stadt nachhaltig benachteiligt.
Es wird spannend, spannen wir die Muskeln, Gedanken und Ideen an!
Ich danke Ihnen!


