Gotha: Informationsbericht des Oberbürgermeisters zur Stadtratssitzung am 29. Juni 2026
– Es gilt das gesprochene Wort –
Meine sehr geehrten Damen und Herren Stadträte,
heute ist Fußballtag, Fußball ist wie Stadtrat, auf Fairness kommt es an! Deutschland spielt heute gegen eine Mannschaft aus Südamerika. Drücken wir die Daumen, dass das Ergebnis besser wird als heute vor 40 Jahren, da spielte Deutschland in Mexiko gegen Argentinien um den Weltmeistertitel. Jeder von uns weiß, wie das Spiel ausging – Argentinien wurde mit 3:2 Weltmeister. Die Tore für Deutschland schossen Rudi Völler und Karl-Heinz Rummenigge, vielleicht wird einer von beiden dabei sein, wenn wir am 22.8.2026 „100 Jahre Volkspark-Stadion“ mit einem Fußball-Wettkampf gegen die deutsche Traditions-Elf begehen.
Hitze hat Deutschland im Griff
Es ist heiß in Deutschland, das merken wir alle, das merken wir täglich. Aber, vor wenigen Tagen war es beim Weinfest noch so kalt, dass man dachte, man hat Eiswein im Glas. Jetzt ist es so heiß, dass sich nur wenige in die Stadt trauen. Festzustellen ist, kaum haben wir ein Thema, wird in Deutschland nach dem Staat gerufen. Der Staat soll Klimaanlagen bauen usw., aber Heizungsgesetze wollen wir auch nicht. Bevor immer wieder nach dem Staat gerufen wird, muss jeder einzelne selbst prüfen, wie er sich schützt. Ja, beim Hausneubau, wie dies in den letzten Wochen 11 Einfamilienhausanträge beweisen, wird ans Klima gedacht. Aber, es geht auch darum, umzurüsten, ohne die Mietkosten ins unbezahlbare zu treiben. Unsere Stadt heizt sich besonders innerstädtisch auf, deshalb ist es so wichtig,
– dass wir die Stadtpromenade entlang des Flutgrabens vom Viadukt zum Heutal voranbringen, als Feuchtigkeitsspendenden Ort in der Stadtmitte;
– dass wir zügig am Konzept der Beschattung des Neumarktes arbeiten, wie dies durch einen Antrag der SPD/F.D.P. Fraktion angestoßen worden ist;
– dass wir unser Konzept „Alleen für Gotha“ vorantreiben, in dem wir Grundstücke an den Straßenerwerben um Raum anzubieten für Alleebäume, die dann auch eine Chance haben zu wachsen. Gotha war bekannt als Stadt der Alleen, leider sind im letzten halben Jahrhundert eine Menge Bäume an den Straßen durch Winterdienst, Unfälle und geringe Pflege zerstört worden. Ersatzpflanzungen von Unternehmen, auch Baumstiftungen anlässlich von Jubiläen sollen in Alleen umgesetzt werden;
– dass wir einen weiteren öffentlichen Wasserspender in der Altstadt schaffen, zusätzlich zum Gothardusbrunnen und den Trinkstellen in öffentlichen Einrichtungen;
– dass wir der Wasserkunst ab 2027 die Möglichkeit geben, täglich von 10.00-17.00 Uhr Wasser zu spenden, dazu wird es notwendig sein ein Wasserbecken zu bauen, um die Versorgung vom Leinakanal zu entkoppeln;
– dass wir Bürger uns schützend um den Leinakanal kümmern, kein Wasser für private Gärten entnehmen, sondern garantieren, dass der Park und die Teiche das Wasser des Kanals erhalten;
– unser Konzept der „Kieslandschaft Gotha“ vorantreiben, in dem die Wasserflächen nicht verfüllt, sondern als Wasserbiotope erhalten bleiben;
Fest steht jedoch auch, es wird nicht möglich sein, in kürzesten Zeiten alle öffentlichen Gebäude wie Schulen, Verwaltungen und Kindergärten so umzurüsten, dass sie über Klimaanlagen verfügen. Bei Neubauten werden solche Anlagen in Kürze zum Standard gehören, wer aber über eine so große Vielzahl von Altbauten verfügt wie Gotha, muss die natürlichen Ressourcen eines Hauses nutzen, denn auch vor 100 Jahre war es schon kalt und heiß.
Klimaumbau der Stadt Gotha
Wie bereits berichtet, wurden von 2019 bis heute in Gotha 916 Photovoltaikanlagen in Betrieb genommen, die eine Leistung von rund 26.000 Kilowatt-Pik erbringen.
Mit dem Ausbau der Ordonanzgasse, die wir heute zur Beschlussfassung vorliegend haben, schaffen wir die Voraussetzungen für den Bau eines Ladeparks für Elektromobilität an der B247 am „Parkplatz Altstadt Gotha“ (ehemals Zentraler Busbahnhof). Es entstehen 8 Ladesäulen mit einer Gesamtanschlussleistung von 1,8 Megawatt, das bedeutet ein PKW ist in 30 Minuten vollgeladen.
Zur Speicherung von Energie sind derzeit Stromspeicher in Planung, so in der Gleichenstraße mit 4 MW, in der Oststraße mit 3 MW und am Lindenhügel mit 2 MW, mit dem Baubeginn wird in Kürze gerechnet.
Hauptbahnhof Gotha
Unübersehbar: am Gothaer Bahnhof wird gebaut. Die Bauzäune sind gestellt, die Baustellenüberwachung hat begonnen. Die Bauzäune werden in den nächsten Wochen durch die KulTourStadt Gotha GmbH gestaltet, sie sollen Hinweise auf Besuchsmöglichkeiten in der Stadt enthalten und die Fahrgäste neugierig machen. Natürlich gibt es derzeit für Bahnreisende Beeinträchtigungen, das ist nicht schlimm, wir mildern ab wo es nur geht, viel wichtiger ist, dass nach 80 Jahren Verfall jetzt Baubeginn ist und wir zuschauen dürfen, wie es voran geht. 11 Baulose sind bereits vergeben und die Firmen sind angerückt bzw. rücken in den nächsten Wochen an, um den Platz zu einer Großbaustelle zu machen.
Das Parken am Bahnhof ist schwierig, wird in der Bauphase noch schwieriger und Bahnreisende müssen weitere Wege in Kauf nehmen, wir suchen nach Lösungen, das Parkplatzproblem zu lösen.
Wirtschaftsstarkes Gotha
Die Firma STRAUB KG eröffnet im ehemaligen Gelände von Durable ein neues Schulungszentrum, FEGA Schmitt feiert 30jähriges Jubiläum mit der Neueröffnung eines Standortes in Gotha-Süd und gleichzeitig kommt die Nachricht, dass vor den Toren Gothas die Firma Walsteed ihren Standort schließen will. Das stimmt uns auch in Gotha bedenklich. Der Standort wurde 1992 aus der Oststraße in Gotha als „Gotha Druck“ nach Günthersleben verlagert, behielt aber den Namen und war eine der erfolgreichsten Druckereien Thüringens. Ich habe den Firmengründer Siegfried Creutzburg sehr bewundert, wie der einstige Lehrling aus Gotha das Unternehmen aufbaute. Ihn damals für das Bundesverdienstkreuz vorzuschlagen, war für mich eine Ehrensache. Umso mehr habe ich traurig zusehen müssen, wie in der nächsten Generation das Unternehmen nicht mehr in der Familie blieb, sondern an einen ausländischen Investor verkauft worden ist. Der hat jetzt die Schließung bekanntgegeben. Man sieht an diesem Beispiel wie ohnmächtig Kommunalpolitik und Wirtschaftsförderung sein können.
Auf der anderen Seite haben wir uns darüber gefreut, dass die Gothaer Druckerei DMZ Druckmedienzentrum aus der Insolvenz an einen neuen Besitzer verkauft werden konnte, der neben Schleip Druck Gotha die fast 500-jährige Druckertradition der Stadt Gotha fortsetzt.
Der Gothaer Metallwarenbau ist jetzt bei der C + P Group GmbH & Co. KG in niederländischer Hand, aber der Standort Gotha gilt weiterhin als sehr produktiv. An diesem Beispiel sieht man aber, dass auch der Wirtschaftsstandort Gotha immer internationaler wird, nicht nur, dass Produkte weltweit ex- und importiert werden, sondern auch dass die Eigner aus der Schweiz, USA, der Niederlande oder aus China kommen.
Unsere Flächen werden in Zukunft nicht mehr allein entscheidend sein, gute Wirtschaftsentwicklung wird davon abhängig sein, wie viele gute Mitarbeitende wir in Gotha zur Verfügung stellen können. Deshalb wird es jetzt wichtig sein, dass Bundesagentur und Jobcenter sofort den Fachkräften von Walsteed Möglichkeiten auch Schulungen anbieten, um vor Ort in neuen Unternehmen in Gotha eine Zukunftsperspektive zu finden. 16 Unternehmen haben dies bereits erkannt, denn sie sind am 29. August 2026 zum „Tag der offenen Firmen“ mit dabei.
Viele kleine und größere Unternehmen unserer Stadt feiern in diesem Jahr ihr 35-jähriges Jubiläum, es sind die Neugründer, die nach der Friedlichen Revolution ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen haben. Ich möchte all diesen Unternehmerinnen und Unternehmer meinen Respekt aussprechen und ganz herzlich gratulieren, ihnen eine gute Unternehmensnachfolge wünschen und sie bitten, sich weiterhin auf ihre eigene Art und Weise in die erfolgreiche Entwicklung unserer Stadt einzubringen.
Glasfaser-Pilotstadt Gotha
Gotha ist Modellstadt im beschleunigten Glasfaserausbau, schneller als geplant soll Gotha an das Glasfasernetz kommen, in mehreren Teams wird in Gotha gebaut um schnell voran zu kommen. Die Stadtverwaltung hat ein Team aus Mitarbeitern der Ämter 30 und 60 gebildet mit einem Leiter. Da viele Gehwege genutzt werden, stehen wir in der Verantwortung ordnungsgemäße Deckenverschlüsse herzustellen, wir wollen diese Chance nutzen.
Attraktive Altstadt Gotha
Ich zitiere aus dem Online-Angebot der „Thüringer Allgemeinen“ von heute:
Bereits am Freitag informierte die Stadtverwaltung Gotha über eine Beschädigung einer handgefertigten Sandsteinsäule auf dem oberen Hauptmarkt, welche als Türöffner für den unterirdischen Fischkeller dient. Durch akribische Ermittlungsarbeit, konnte die Polizei inzwischen den Verursacher ermitteln. Nach dem Zeugenaufruf der Stadtverwaltung, ergaben sich erste Hinweise auf einen roten Seat als Verursacherfahrzeug. Ein Zeuge berichtete zudem, dass ein Fahrzeug dieser Beschreibung mit einem Frontschaden für rund zwei Tage in der nahegelegenen Jüdenstraße abgestellt war. An der Unfallstelle gesicherte Fahrzeugteile erhärteten den Verdacht.
Im Rahmen weiterer Ermittlungen wurde am Samstag ein 74-jähriger Fahrzeughalter ermittelt. Dieser gestand den Unfall und gab an, den Wagen bereits verkauft zu haben. Das Auto sollte sich bereits auf dem Weg ins Ausland befinden. Doch die Beamten ließen nicht locker, bis sie erfuhren, wo das Auto tatsächlich stand. So konnten Polizisten das Fahrzeug – einen zehn Jahre alten Seat in nicht mehr fahrtauglichem Zustand – schließlich bei einem Autohändler auffinden“ soweit der Bericht unserer Tageszeitung.
Danke an die Polizei und an aufmerksame Bürgerinnen und Bürger – wer Schaden am Eigentum aller macht, darf sich nicht vor Verantwortung drücken.
Man sieht an diesem Beispiel wie wachsam wir sein müssen. Wir können nicht nur an den kommenden Donnerstagen die „GothaSür“ genießen, weil es kostenlose Angebote sind, wir müssen auch in der Altstadt leben, kaufen und verzehren, damit sie eine lebendige Innenstadt ist. Wenn zum Jahresende das Fischgeschäft auf dem Neumarkt schließt, dann soll ruhig jeder wissen, dass wir schon seit Monaten an einer erfolgreichen Nachfolge arbeiten.
Beginnend mit KÖNIGSHAUT vom Donnerstag bis Samstag, gefolgt vom Ekhof-Festival und dem Friedenstein Open Air, schaffen wir über den Sommer ein Klima in der Stadt, welches Menschen anlockt. Es liegt an uns, sie in Gotha zu fesseln, sie mit Angeboten einzubuchen und so nachhaltige Wertschöpfung zu erzeugen. Es geht nicht um Eintagsfliegen, es geht um Nachhaltigkeit, es geht darum heute schon für nächstes Jahr zu buchen und somit Unternehmen Zukunftspläne zu ermöglichen. Wir sind noch zu weit davon entfernt, dass Tourismus Wirtschaftskraft ist, aber wir haben uns in den letzten Jahren gut voran bewegt. Sicherlich wird die Einführung einer Tourismusabgabe gerechtfertigt und wir werden auch in 2027 eine Diskussion dazu anregen, denn unsere Tourist-Information sollte sich aus Tourismusbeiträgen finanzieren.
Wir beginnen diese Woche, mit KÖNIGSHAUT und holen die große Theatertradition unserer Stadt auf die Fassade des Schlosses Friedenstein und in den Wappen bekrönten Innenhof. Es ist eine Chance in Gotha ein einmaliges Theatererlebnis in den kühlen Nachtstunden zu erleben, was das Potential besitzt, für Gotha etwas ganz Großes zu werden. Etwas Mut gehört natürlich dazu und auch Ausdauer. Ich hoffe, dass sie sich diese Chance nicht entgehen lassen.
Straßenbau im Sommer in Gotha
Am 2. Juli 2026, um 14 Uhr wird die neue Margarethenstraße der Nutzung übergeben. Von Mai 2024 bis Juni 2026 hat die Stadt Gotha in diese bisher nicht vorhandene Straßenanlage 2,0 Mio. Euro investiert.
Wir nutzen den Sommer um kräftig zu investieren rund 1.200.000€:
Ernst-Thälmann-Straße Uelleben: 3.7. – 10.7.2026 Dünnschichtbelag
Pfullendorfer Straße: 27.7. – 14.08.2026 Deckensanierung
Kindleber Straße Kreisel: 3.7. – 14.08.2026 Deckensanierung
Parkallee: 17.08. – 28.08.2026 Deckensanierung
Seebergstraße: 22.6. – 10.07.2026 Treppenanlage
Besucherparkplatz Tierpark: Juli – Dez. 2026 Neubau
Werden die geplanten Fördermittel des Landes bereitgestellt, wird im September mit dem Radwegbau Siebleben-Seebergen begonnen, der 310.000 € kostet.
Sommerferien in Gotha
Man sollte es nicht glauben, es gibt auch in unserer Stadt viele Kinder, die nicht in den Urlaub fahren, die kein Ferienlager von Betrieben besuchen können, weil es die nicht mehr gibt, sondern die sechs Wochen zu Hause verbringen. So, wie die durch einen CDU-Antrag initiierte Aktion des kostenlosen Besuchs von Tierpark und Bad, müssen wir uns in den nächsten Jahren stärker der Sommerferienaktion zuwenden, auch Projekte mit unseren Partnerstädten auf Neuwerk in der Nordsee wiederbeleben. Hierfür sollte unternehmerisches Kapital und ehrenamtliches Engagement gebündelt werden, um Jugendlichen aus Gotha eine kurze Phase der Entspannung zu bieten.
Vorort sind wir in der Bibliothek mit Lesegenuss aus 12 neuen Kinderzeitschriften, Vorlesen im leeren Schwimmbecken, Angeboten in der Wunderkammer von Schloss Friedenstein und mit Angeboten unserer Kinder- und Jugendarbeit um die nachfolgende Generation bemüht.
Wenn wir wissen, wie wenige Schülerinnen und Schüler schwimmen können, bleibt die Frage, warum es in den Ferien keine Schwimmlager gibt?
Europa als weltweites Zukunftsprojekt
Wir freuen uns über die Gründung eines Vereins zur Förderung der Partnerschaft nach Nessebar, er folgt dem Beispiel von GothAdua, die bereits seit Jahren erfolgreich arbeiten. Dieses Bürgerengagement ist der richtige Weg. Unser Beigeordneter Herr Leisner hat uns mit einer Delegation aus Verwaltung und Feuerwehr zu einem Stadtempfang in Martin vertreten und in Romilly-sur-Seine ist mit Adam da Mota ein neuer Bürgermeister gewählt, der vor Jahren in unserer Stadtverwaltung ein Praktikum absolvierte und somit beste Kontakte zu Gotha pflegen will. Volleyballer aus Gotha waren in Nessebar um Kontakte aufzubauen, eine amerikanische Schülerdelegation war in Gotha und in den nächsten Tagen wird nun der Beauftragte des Bürgermeisters von Gastonia in Gotha weilen, um unsere Partnerschaft nochmals zu ratifizieren. Genau in diese positiven Meldungen kommt die Information, dass das größte europäische Festival der Volkskultur im italienischen Bergamo aus unbekannten Gründen abgesagt worden ist. Die Europeade-Bewegung steht damit vor dem Zusammenbruch einer großen Idee. Das hat vielfache Ursachen, unter anderem auch die mangelnde Unterstützung durch die europäischen Institutionen.
Gerade jetzt, haben wir aber vielleicht auch die Chance unser GOTHARDUSFEST neu zu profilieren und es als europäisches Festival zu entwickeln. Wir werden zukünftig nicht mehr die Finanzkraft haben, um internationale Künstler für kostenfreie Eintritte einzukaufen, wenn wir mit dem Friedenstein Open Air ein Format für solche Künstler in außergewöhnlicher Kulisse haben. Vielleicht besteht unsere Chance darin, jedes Jahr zum Gothardusfest einer bestimmten Größenordnung von europäischen Gästen das Europeade-Flair zu bieten, warum soll nicht Gotha für 4 Tage tanzen, singen und musizieren. Eine Überlegung ist es wert!
In diesem Sinne gut Schuss, unser Tor ist Gotha.
Ich wünsche uns allen einen wirtschaftsstarken Sommer, den Genuss eines bildungsreichen Kulturangebotes, den Einkauf in kleinen Läden unserer Innenstadt und das alles im Flair einer unverwechselbaren Stadt für die wir uns alle jeden Tag engagieren.

