AOK PLUS: Pflegereform muss bei den Menschen ankommen
AOK PLUS sieht richtige Strukturansätze im Pflegeneuordnungsgesetz, warnt aber vor finanziellen Lastenverschiebungen
Die Zahl pflegebedürftiger Versicherter der AOK PLUS steigt weiter deutlich. Vor diesem Hintergrund bewertet die AOK PLUS den Referen-tenentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes aus dem Haus von Bundesgesundheitsministerin Warken als notwendigen, aber finanziell unausgewogenen Reformansatz.
Die soziale Pflegeversicherung steht massiv unter Druck. Steigende Pflegezahlen, wachsende Eigenanteile, Fachkräftemangel und die finanzielle Schieflage der Pflegeversicherung machen eine Reform dringend notwendig.
„Der Reformbedarf in der Pflege ist unbestritten. Mehr als 337.000 Versicherte der AOK PLUS sind pflegebedürftig. Seit 2017 ist ihre Zahl um fast 60 Prozent gestiegen. Pflege ist längst ein zentrales Versorgungsthema für Familien, Kommunen und Sozialversicherung.“, sagt Ilona Wojnowski, Vorständin der AOK PLUS.
Richtige Ansätze bei Struktur und Prävention
Der Entwurf enthält aus Sicht der AOK PLUS wichtige Strukturansätze. Dazu gehören mehr Prävention und Rehabilitation, eine individuelle Pflegebegleitung, das geplante PflegeCockpit, einfachere Leistungsstrukturen und eine bessere Datengrundlage für die kommunale Pflegeplanung. Diese Ansätze können aus Sicht der Gesundheitskasse helfen, Pflegebedürftigkeit möglichst zu vermeiden, Angehörige besser zu unterstützen und Versorgung vor Ort gezielter zu organisieren.
Entscheidend ist der Nutzen für Pflegebedürftige
Für die AOK PLUS stehen bei allen Reformvorhaben stets die pflegebedürftigen Menschen und ihre Angehörigen im Mittelpunkt. Die mit Abstand meisten pflegebedürftigen Versicherten der AOK PLUS werden zu Hause versorgt. Zum Jahresende 2025 waren das mehr als 290.000 Menschen.
„Jede Pflegereform muss sich an einer einfachen Frage messen lassen: Was kommt bei den zu pflegenden Menschen und ihren Angehörigen wirklich an? Wenn Pflegebedürftige länger auf Entlastungen warten müssen, wenn Leistungen gekürzt werden oder wenn pflegende Angehörige schlechter abgesichert werden, dann passen Anspruch und Wirkung nicht zusammen“, so Wojnowski.
Finanzierung bleibt der Schwachpunkt
Kritisch sieht die AOK PLUS vor allem die Ausgestaltung des Entwurfs hinsichtlich der Finanzierung. Vorgesehen sind unter anderem höhere Beiträge für Kinderlose, eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze, Pflegebeiträge auf Minijobs sowie Einschränkungen bei Leistungen. Gleichzeitig sollen höhere Zuschüsse zur Begrenzung der Eigenanteile in der stationären Pflege später greifen.
„Das ist keine nachhaltige Stabilisierung, sondern in Teilen eine Kostenverschiebung. Wenn Entlastungen im Pflegeheim später greifen und Eigenanteile weiter steigen, trifft das zuerst die Pflegebedürftigen und ihre Familien. Am Ende steigt aber auch der Druck auf die Kommunen, weil mehr Menschen auf Hilfe zur Pflege angewiesen sein können“, sagt Wojnowski.
Bund und Länder müssen Verantwortung übernehmen
Die AOK PLUS fordert, dass Bund und Länder ihrer Verantwortung stärker nachkommen. Dazu gehören die Erstattung pandemiebedingter Ausgaben der Pflegeversicherung, die dauerhafte Finanzierung der Rentenbeiträge pflegender Angehöriger aus Steuermitteln sowie die Übernahme der Investitionskosten in der stationären Pflege durch die Länder.
„Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Eine Reform, die diesen Namen verdient, muss Pflegebedürftige und ihre Familien verlässlich unterstützen, Beitragszahlende nicht überfordern, Kommunen nicht zusätzlich belasten und Bund und Länder klarer in die Verantwortung nehmen“, so Wojnowski.
Digitalisierung muss Pflege spürbar entlasten
Die AOK PLUS will Pflege auch praktisch weiterentwickeln. Ein Beispiel ist die Kooperation am Digitalen Gesundheitscampus Waldheim. Dort soll gemeinsam mit Partnern ein konkreter Vorschlag erarbeitet werden, wie Pflege durch Digitalisierung deutlich entbürokratisiert und Versorgung im Alltag erleichtert werden kann.
„Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein. Sie muss Pflegekräfte von Bürokratie entlasten, Angehörigen Orientierung geben und Versorgung für Pflegebedürftige einfacher machen. Gerade angesichts steigender Pflegezahlen und wachsender Belastungen für Kommunen ist das ein wichtiger Hebel“, sagt Wojnowski.
Pflegebedürftige Versicherte der AOK PLUS
Zum 31. Dezember 2025 betreute die AOK PLUS insgesamt 337.637 pflegebedürftige Versicherte. Davon entfielen 217.299 auf Sachsen und 109.299 auf Thüringen. Weitere 11.038 pflegebedürftige Versicherte werden außerhalb Sachsens und Thüringens geführt. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das insgesamt einem Anstieg um 17.461 Menschen beziehungsweise 5,5 Prozent.
Seit Ende 2017 ist die Zahl der pflegebedürftigen Versicherten der AOK PLUS von 212.641 auf 337.637 gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs um 124.996 Menschen beziehungsweise rund 59 Prozent.
Der überwiegende Teil der Pflege findet in der Häuslichkeit statt. Zum Jahresende 2025 wurden 290.473 pflegebedürftige Versicherte der AOK PLUS zu Hause versorgt – davon 186.055 in Sachsen und 95.631 in Thüringen. 47.164 Versicherte lebten in stationären Pflegeeinrichtungen – davon 31.245 in Sachsen und 13.668 in Thüringen.
AOK PLUS – die Gesundheitskasse
Die AOK PLUS versichert mit rund 3,5 Millionen Personen über 57 Prozent aller gesetzlich Krankenversicherten in Sachsen und Thüringen. Aktuell kümmern sich 6.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gesundheitskasse um die Anliegen der Kundinnen und Kunden, um insgesamt rund 180.000 Arbeitgeber in beiden Freistaaten und überregional sowie um rund 40.000 Vertragspartner.
Das Haushaltsvolumen 2026 für die AOK PLUS beträgt insgesamt 23,5 Milliarden Euro. Davon entfallen auf die Krankenversicherung 18,5 Milliarden Euro, die Pflegeversicherung 4,4 Milliarden Euro und auf den Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen nach dem Aufwendungsausgleichsgesetz 609 Millionen Euro.


