Rezept: DDR-Weihnachtsente mit Rotkohl und Thüringer Klößen
Wenn man an Weihnachten in der DDR zurückdenkt, dann kommt einem kein hochgestochener Festbraten in den Sinn, sondern ein Gericht, das ganz bodenständig daherkommt und trotzdem jedes Herz eroberte: Entenbraten mit Rotkohl und Klößen. In vielen Haushalten war die Weihnachtsente so etwas wie ein heiliger Brauch. Man wusste, sie gab es nicht einfach im Laden zu kaufen, oft musste man sie über Beziehungen, frühe Bestellungen oder über den Hof eines Bekannten bekommen. War sie endlich da, fühlte sie sich wie ein kleiner Schatz an. Und genau diese Besonderheit verlieh dem Essen seinen festlichen Glanz – nicht durch Luxus, sondern durch Tradition und Mühe, wie es eben immer gemacht wurde.
Zutaten für die Ente
- 1 küchenfertige Ente (ca. 2–2,5 kg)
- Salz, Pfeffer
- 2 Äpfel (Boskop oder ein anderer säuerlicher Apfel)
- 2 Zwiebeln
- Majoran
- Beifuß (in der DDR fast Pflicht)
- etwas Wasser oder Brühe
Zutaten für den Rotkohl
- 1 Kopf Rotkohl
- 1 Apfel
- 1 Zwiebel
- etwas Gänse- oder Schweineschmalz
- 2–3 EL Essig
- Zucker, Salz, Lorbeer, Nelken
Zutaten für Thüringer Klöße
- 1,5 kg Kartoffeln (mehlig, wie früher im Hofladen besorgt)
- Salz
- Kartoffelmehl (wenn nötig, zur Bindung)
- etwas Semmelbrösel und Butter für die Füllung
Zubereitung
1. Die Weihnachtsente
Die Ente wird von außen und innen kräftig mit Salz und Pfeffer eingerieben. In der DDR wurde dabei gern sparsam, aber bewusst gewürzt – nicht zu viel Schnickschnack, nur das, was immer funktioniert. Dann füllt man die Ente mit den geviertelten Äpfeln und Zwiebeln. Majoran und Beifuß dürfen nicht fehlen, denn sie geben dem Geflügel den klassischen Geschmack, an den man sich bis heute erinnert.
Die Ente kommt in einen Bräter, wird mit ein wenig Wasser oder Brühe übergossen und wandert bei ca. 180 °C in den Ofen. Regelmäßig wird sie mit dem eigenen Bratensaft begossen. Nach rund 2,5 Stunden wird sie außen knusprig und innen wunderbar zart. Das Auslösen und Servieren war früher oft Aufgabe des Familienoberhaupts – ein kleiner zeremonieller Moment, der still zeigte, wie wichtig dieses Essen im Jahr war.
2. Rotkohl wie bei Mutti
Der Rotkohl wird fein geschnitten, der Apfel gerieben, die Zwiebel gewürfelt. Alles landet in einem Topf, der mit Schmalz bereits warm wartet – denn ohne Schmalz ging in der DDR kaum etwas. Dann kommen Essig, Zucker, Salz und Gewürze dazu. Der Kohl schmort langsam, mindestens eine Stunde, damit er seine Süße und Säure harmonisch entfalten kann. Kein übertriebener Glanz, sondern ehrlicher Geschmack – wie früher eben.
3. Die Thüringer Klöße
Ein stolzes Stück Handarbeit und für viele der wahre Höhepunkt des Essens: Kartoffeln werden geschält, ein Teil gekocht und zerdrückt, der andere roh gerieben. Das rohe Kartoffelwasser darf sich setzen, und das abgesetzte Stärke-Mehl wird später wieder zugegeben. Alles wird gemischt, bis ein formbarer Kloßteig entsteht. Wer traditionell bleiben möchte, formt die Klöße mit gerösteten Semmelbröseln in der Mitte – ein kleiner Schatz beim Aufschneiden. Die Klöße ziehen nur im heißen Wasser, sie dürfen nie sprudelnd kochen.
Weihnachtlicher Abschluss
Wenn die Ente tranchiert ist, der Rotkohl sein süß-säuerliches Aroma entfaltet und die Klöße stolz wie kleine Könige auf dem Teller liegen, dann fühlt man sich zurückversetzt in ein Weihnachten, das ohne Übermaß auskam, dafür mit viel Herz und Tradition. Die DDR verstand es, aus wenig etwas Besonderes zu machen. Es war dieses Gefühl, das die Festtafel so wertvoll machte. Und genau das schmeckt man noch heute, wenn man dieses Gericht zubereitet – ehrlich, bodenständig und mit einer Wärme, die kein Luxus ersetzen kann.
So schmeckte Weihnachten damals. Und so schmeckt es auch heute noch, wenn man sich an die alten Rezepte hält. Guten Appetit! 🎄🍽️


