Braukunst in Gotha seit 1303 belegt

Foto: © Stadt Gotha
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Großinvestition der Paulaner in Gotha trifft auf große Brauereigeschichte

Die am Montag, den 18. August 2025 von der Paulaner Brauerei in Gotha angekündigte Großinvestition zum Ausbau des Braustandortes Gotha trifft, so die Feststellung von Oberbürgermeister Knut Kreuch, vielfach auf guten Boden. Nicht nur das die Ansiedelungsbedingungen und die gute Facharbeiterschaft in Gotha vorhanden sind, sondern auch eine lange Traditionslinie, in die sich die Investition der Paulaner Gruppe einbettet.

Der Oberbürgermeister hat parallel zu diesen positiven Nachrichten zur Entwicklung des Gothaer Paulaner-Standorts ein kleines Exposé zur Geschichte des Bierbrauens in Gotha vorgelegt. In Zusammenarbeit mit dem Landesarchiv Thüringen, Staatsarchiv Gotha fand sich eine Urkunde vom 5. Juli 1303, in der Landgraf Albrecht von Thüringen (1240-1314) dem Kreuzkloster zu Gotha die Gerichtsbarkeit des Dorfes Bufleben übergibt. Als Dank dafür sollen die frommen Schwestern alljährlich eine Feier abhalten, für deren Durchführung sie 3 Ferkel, Wein, Bier und Fisch erhalten sollen. Damit ist belegt, dass seit 1303 in Gotha Bier gebraut wird und die Stadt auf eine mehr als siebenhundertjährige Brautradition verweisen kann. Der Ratskeller als ältestes Gasthaus wird 1487 erwähnt und von den einst 254 Häusern, die das Braurecht besaßen, ist das „Haus zu den zwei Helmen“ am Hauptmarkt 15 aus dem Jahr 1542 der älteste Brauhof der Stadt. Die zwei Bierlöcher oberhalb des Tores sind gut erkennbar.

Die individuelle Hausbrauerei verlor im 19. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung. Nach einer Idee von Ernst Wilhelm Arnoldi entstand 1834 die erste Brauerei mit serienmäßiger Fertigung, deren Standort sich seit 1973 in der Leinastraße befindet. Interessant ist, dass Oberbürgermeister Knut Kreuch kürzlich eines der ersten Bücher zur Braukunst in Deutschland entdeckte, welches 1690 im Verlag August Boetius in Leipzig und Gotha erschien. Der Titel lautet: „Hochnutzbar und bewährte Edle Bierbrau-Kunst Lehrend die rechte Art und Weise gut, wohlschmeckend, gesund und kräfftig Bier zu brauen und dasselbige bey gutem Stande im Brau-Hause und Keller zuerhalten“. Autor des Buches ist laut Buchtitel D. David Kellner. Gemeinsam mit der engagierten Stadtführerin Eleonore Voll konnte Kreuch nun Informationen zum Verfasser ermitteln.

David Kellner ist am 15. August 1644 in der Margarethenkirche von Gotha getauft worden. Er ist der Sohn des fürstlichen Bediensteten und Bürgers zu Gotha Hans Kellner. David hat am 6. Juni 1671 Anna Martha Seebach, Tochter des Fürstlichen-Sächsischen Botenmeisters Johann Seebach in der Margarethenkirche geheiratet und 1674 und 1677 sind dort die Söhne David und Johann Christian in Gotha getauft. In deren Taufeintrag steht als Vater „Doktor der Medizin, praktiziert hier, Johann David Kellner“. Kellner studierte in Helmstedt und war am Ende seines Lebens als Arzt in Nordhausen tätig, wo er am 3. Juli 1725 verstarb.

Die Forschungsbibliothek Gotha verfügt über ein Exemplar des Buches, welches sogar handschriftliche Einträge und Rezepte zur Braukunst aufweist. Das Buch ist leider in keinem gutem Zustand und muss dringend restauriert werden. Wer die Restaurierung mit einer Spende unterstützen kann, darf sich gern an die Forschungsbiliothek wenden.

Digital ist das Buch Hier einsehbar.

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