Mit Goldfäden bestickte Damast-Tischdecke voll Historie geht ins Deutsche Versicherungsmuseum
Bernhard Blauel, in London lebender Architekt und Großneffe des langjährigen Direktors der Gothaer Feuerversicherungsbank Dr. Martin Vollert (1882-1980), hat Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch eine wertvolle goldbestickte Damast-Tischdecke aus dem Nachlass seines Großonkels übergeben.
Das einmalige Textilstück wurde anlässlich des 95. Geburtstages von Martin Vollert am 6. November 1977 gefertigt. Das weiße Tafeltuch in einer Größe von 146 cm x 155 cm, ist mit den Lebensstationen des Bankdirektors versehen und macht es deshalb zu einem besonderen Unikat. Erinnert das Mittelornament an den 95. Geburtstag Vollerts, so machen die kunstvollen Randbestickungen wichtige Lebensstationen von ihm sichtbar. Alles beginnt mit seiner Geburt am 6. November 1882 in Eisenach, es folgen Erinnerungen an sein Studium der Rechtswissenschaften am 16. Juli 1910 in Jena und den Beginn seiner Tätigkeit bei der GOTHAER Feuerversicherungsbank am 1. April 1911. Im Ersten Weltkrieg wird er am 2. Oktober 1914 bei Grandcourt schwer verletzt. Erst spät heiratete er am 11. September 1947 in Erfurt. In den Ruhestand, so verrät es die Tischdecke, trat am 11. September 1959 ein, feierte am 11. September 1972 seine Silberhochzeit und wenige Wochen später am 6. November seinen 90. Geburtstag.
Martin Vollert kam 1911 auf Empfehlung des Jenenser Senatspräsidenten am Oberlandesgericht Victor Samwer (1863-1924) nach Gotha. Dieser war ein Bruder des Generaldirektors der GOTHAER Leben Karl Samwer (1861-1946) und Sohn des Staatsjuristen Karl Friedrich Lucian Samwer (1819-1882), von dem sein Enkel Adolf Haasen kürzlich eine Biografie in Gotha präsentierte.
1913 wurde Vollert stellvertretender Direktor der Gothaer Feuer, ab 1920 Mitglied des Direktoriums und ab 1. Januar 1923 Generaldirektor der Gothaer Feuerversicherungsbank als Nachfolger von Dr. Zotho Dietzsch (1855-1937). Er stieg zu einem führenden Versicherungsmanager in Deutschland auf. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und des Verbots der versicherungswirtschaftlichen Beteiligung der GOTHAER in ihrer Gründungsstadt verlagerte Vollert den Betrieb des Unternehmens nach Köln, wo sich noch heute der Hauptsitz der Barmenia.Gothaer befindet. Er führte die Gothaer von 1923 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1958 als Vorstandsvorsitzender. Bis 1970 blieb er dem Unternehmen in verschiedenen Aufsichtsräten weiterhin ehrenamtlich verbunden. Martin Vollert starb am 2. November 1980 in Gauting bei Starnberg.
Das wertvolle Tafeltuch stellt eine große Bereicherung für die versicherungsgeschichtlichen Sammlungen Gothas dar und wurde von Oberbürgermeister Knut Kreuch an Horst Gröner, den Leiter des Deutschen Versicherungsmuseums „Ernst Wilhelm Arnoldi“ zur dauerhaften Aufbewahrung im Museum übergeben.



