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Bildung beginnt auf dem Wickeltisch – Bewegung fördert Intelligenz

Bewegung fördert Intelligenz
Bei der Versatio gGmbH in Gotha kümmert man sich um die sprachliche und soziale Entwicklung von Kinder und Jugendlichen.

„Bildung beginnt auf dem Wickeltisch.“ Mit dieser scheinbar provokanten These möchte Sabine Ihde auf ein großes Problem in der Gesellschaft hinweisen. Ist sie doch jeden Tag mit den Folgen von Bewegungsmangel konfrontiert. Als Abteilungsleiterin der therapeutischen Praxen und der Frühförderung bei der Versatio gGmbH in Gotha hat sie täglich mit Kindern zu tun, die dringend Unterstützung brauchen. Wenn Eltern, Ärzte oder Erziehungsberechtige feststellen, dass sich ihre Kinder sprachlich deutlich langsamer entwickeln als andere Kinder in ihrem Alter, sollte man aufmerken. Dann ist es notwendig, sich professionelle Hilfe zu holen. „Kinder mit Auffälligkeiten werden stigmatisiert und ganz schnell zum Außenseiter“, erklärt Michael Horn, Geschäftsführer bei Versatio und damit auch verantwortlich für die therapeutischen Angebote.

Im Jugendjargon heißt dieses Ausgrenzen „dissen“. Für den Gedissten ist das überhaupt nicht lustig. Ganz schnell entstehen Vereinsamung, Selbstzweifel und ganz viel Leid. „Wenn eine Therapie erfolgreich verläuft“, so Sabine Ihde, „ermöglichen wir den Kindern wieder Teilhabe am Gemeinschaftsleben, also in der Familie, der Schule und in der Freizeit.“ Zentraler Punkt ist die Bewegung. Eigentlich haben Babys ein natürliches Bedürfnis, sich zu bewegen. Wenn das nicht der Fall ist, entstehen mit Sicherheit Probleme beim Spracherwerb. Michael Horn: „Bewegung, Hände, Mundbewegung, Sprache – das alles ist ein Zusammenhang. Bis in die Gehirnstrukturen hinein kann man nachweisen, wie eng das alles zusammengehört und sich gegenseitig bedingt.“
Wenn Kinder zur Sprachförderung kommen, dürfen sie erst einmal kräftig durch die großen Therapieräume toben. Ob Kletterwand, Bällebad oder Balancierteller – Hauptsache Bewegung. „Am Tiscsitzend kann Sprachförderung nicht stattfinden“, erklärt Therapeutin Sabine Ihde.

Regelmäßig muss sie die Eltern über diesen Zusammenhang aufklären. Doch mit der Bewegungsfähigkeit wächst auch die Sprach- und Sprechfähigkeit. Im nächsten Schritt wird dann das Sozialverhalten entwickelt. „In unseren zehn Therapieräumen können wir getrennt arbeiten, aber ganz oft legen wir Gruppen für bestimmte Lernabschnitte zusammen.“ So könne, erklärt Michael Horn, auf natürliche und ungezwungene Weise das Verhalten in der Gemeinschaft geübt und gefördert werden. Auch schwierigere Fälle wie beispielsweise Autismus können so gut behandelt werden. „Wenn wir es schaffen, die jungen oder auch älteren Menschen zu einem Lebensstil zu führen, in dem sie sich wohlfühlen, haben wir viel für ihre Lebensqualität gewonnen“, weiß Sabine Ihde.

Mit Sorge sehen die Therapeuten deshalb die Vorliebe junger Menschen, stundenlang vor ihrem Handy zu sitzen und nur auf den Monitor zu schauen. „Ja, ihre Finger bewegen sie ziemlich flink“, sagt Michael Horn, „aber die Gesamtmotorik bleibt weit dahinter zurück.“ Das hat Folgen für die Gehirnentwicklung, für die sprachlichen Fähigkeiten und nicht zuletzt auch für die Intelligenz. Evolutionsmäßig sei der Mensch für viel Bewegung ausgelegt. Der moderne Lebensstil passe eigentlich nicht dazu. Aus dieser Sicht sind der Sportunterricht in der Schule und bewegungsintensive Freizeitangebote eine Voraussetzung für ein gesundes Heranwachsen. „Wenn das aber nicht ausreicht“, so Sabine Ihde, „beginnt die Arbeit der Therapeuten. Manchmal würden wir gerne schon im Babyalter damit beginnen.“ Ganz viele aktive Bewegungsangebote bereitet die Versatio gGmbH auch in diesem Jahr vor. Am 1. Juli findet im Volksparkstadion Gotha wieder das große Kinderfest statt. Bei freiem Eintritt können Kinder und Jugendliche sich auf vielfältige Weise betätigen. Dafür kooperiert man mit Vereinen und Organisationen bis hin zur Polizei und der Feuerwehr.

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