Ein Nachruf auf einen großen Förderer moderner Kunst: Engelbert Dicken

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Stets charmant und humorvoll hat Engelbert Dicken die Entwicklungen in Gotha und auf Schloss Friedenstein mit wachem Geist, kritisch, aber immer auch wohlwollend begleitet. Am 14. Juli 2022 ist er, ein großer Mäzen der Kunst der Moderne, gestorben. Über viele Jahre war der Wuppertaler Engelbert Dicken eng mit Gotha verbunden. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Eva-Maria Dicken (geborene Stolzenberg, gest. 2017) war es ihm ein großes Anliegen Hannah Höch (1889–1978) und die künstlerische Moderne bekannt zu machen.

Für dieses Ziel setzte sich Herr Dicken mit großem Engagement und viel Herzblut ein. Vieles konnte dadurch erreicht und auf den Weg gebracht werden. Lange Zeit unterstützte das Paar die Sammlungen auf Schloss Friedenstein mit hohen Geld- und Sachzuwendungen. Als Stifter initiierte und förderte das Paar seit 2010 den nach Eva-Maria Dicken benannten Kinder- und Jugendkunstpreis.
Die persönlichen Kontakte zu Gotha und Schloss Friedenstein, insbesondere mit der Kustodin für die Moderne Helga Wilfroth, führten 2005 zur Schenkung von 18 Werken Hannah Höchs an die Stiftung. Sie sind seitdem ein wichtiger Bestandteil der Friedensteinschen Sammlung.

Die Beziehung zu Gotha entstand durch Eva-Maria Dicken, die nach der Zerstörung von Wuppertal 1943 als Kind mit ihrer Mutter und den Geschwistern in Gotha eine Zuflucht fand und hier bis 1948 lebte. Die enge Freundschaft zur Gothaer Familie Carlberg-Höch ließ den Kontakt nach Thüringen auch nach der Rückkehr nach Wuppertal nicht abreißen. Die Freundschaft mit einer Nichte von Hannah Höch war es, die den Eheleuten Dicken das künstlerische Schaffen der Dadaistin nahegebracht hatte. Dieses Interesse führte zum Erwerb von Werken der Künstlerin durch Familie Dicken ab den 1970er Jahren.

Ab 2007 wurden die Schöpfungen Höchs für einige Jahre im – mit Unterstützung von Engelbert Dicken – eingerichteten Hanna-Höch-Kabinett auf Schloss Friedenstein gezeigt. Seit 2021 werden einige dieser Objekte gemeinsam mit weiteren Werken zur Kunst und zum Design des 20. Jahrhunderts in einem Ausstellungsraum präsentiert, der nach Eva-Maria Dicken benannt ist.

Zu den wichtigsten Werken Höchs, die durch das Ehepaar Dicken den Sammlungen von Schloss Friedenstein gestiftet wurden, zählen unter anderem die Collagen „Vor der Kathedrale“ (1950), „Jugend und Alter“ (1964), „Stadt am Meer“ (1968) und „Fetische“ (1970). Eines der Lieblingsobjekte von Engelbert Dicken blieb aber immer das Pastell „Tulpe“ (um 1911/12), ein Werk, das im Besonderen mit der Entscheidung Höchs in Verbindung steht, Künstlerin zu werden. Es ist nur eines von vielen wichtigen Kunstobjekten, welches Familie Dicken im Rahmen ihrer langjährigen Mitgliedschaft im Freundeskreis Kunstsammlungen der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha übereignet hat.

Auch nach seinem Tod wirkt Engelbert Dicken in Gotha weiter: Auf Basis einer großzügigen Zuwendungsvereinbarung zwischen Familie Dicken und dem Freundeskreis Kunstsammlungen sind die Preisgelder für den Kinder- und Jugendkunst-Wettbewerb langfristig gesichert. Am 14. August 2022 wird die 11. Preisverleihung stattfinden. Auch das Projekt „Schaufenster Hannah Höch“ wird fortgeführt, dessen Finanzierung die Familie Dicken ebenfalls sicherte.

Der Freundeskreis Kunstsammlung Schloss Friedenstein e.V., die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha und die Stadt Gotha gedenken Herrn Engelbert Dicken. Mit der Wahrung und Fortführung seiner Initiativen für die Würdigung des Schaffens von Hannah Höch und die Fortsetzung des Eva-Maria-Dicken-Preises, wird Gotha sein Gedächtnis in Ehren halten und bleibt ihm für seine langjährige Unterstützung der Friedensteinschen Sammlungen dankbar verbunden.

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