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Restaurierung und Rahmung der fünf Rückkehrer

Restaurierung und Rahmung der fünf Rückkehrer

Die große Sonderausstellung „Wieder zurück in Gotha – die verlorenen Meisterwerke“, die vom 24. Oktober 2021 bis zum 22. August 2022 im Herzoglichen Museum Gotha zu sehen sein wird, steht in den Startlöchern: Hinter den Kulissen bereiten Restauratoren und Wissenschaftler die Objekte auf ihre Präsentation vor – und damit auch die fünf Meisterwerke aus dem Kunstraub von 1979. Frisch restauriert werden die fünf Gemälde derzeit im Perthes-Forum gerahmt, worüber die Stiftung am heutigen Dienstag informierte.

Dr. Timo Trümper, Direktor Wissenschaft und Sammlung, gab einen Überblick über das neue Erscheinungsbild der Gemälde und präsentierte erstmals ihre neue Einfassung, stilistisch passende Originalrahmen des 16./17. Jahrhunderts: „Mit den Ergebnissen der umfangreichen Restaurierungen sind wir sehr zufrieden. Neben den dringend notwendigen Sicherungsmaßnahmen konnte das ursprüngliche Erscheinungsbild der fünf Gemälde wiederhergestellt und durch zeittypische historische Rahmen komplettiert werden, wodurch die fünf Meisterwerke enorm gewonnen haben.“

Wie genau die Bilder in ihre neue Rahmung, eine Klimarahmung, eingepasst werden, erläuterte Holzrestaurator Thomas Holzhauer im Anschluss. Stellvertretend für die fünf Gemälde-Restauratoren, welche die Rückkehrer aus dem Kunstraub bearbeitet hatten, war Dietrich Richter vor Ort, der in Potsdam das Gemälde „Bildnis eines alten Mannes“ (1629/32, Ferdinand Bol zugeschrieben) restauriert hat.

Seine Arbeit beschreibt Richter als ein „Sichtbarmachen eines authentischen Zustands“, also ein Hervorholen dessen, was ursprünglich zu dem Bild gehörte. Er sagt: „Ein Gemälde kann in unterschiedlichen Zeitepochen verändert worden sein – durch Übermalungen, durch andere Firnis-Aufträge, durch Entfremdung von Detail-Darstellungen, die aus der Mode oder anstößig waren.“

Mit großen kulturhistorischen und chemischen Kenntnissen sowie handwerklichen Fähigkeiten hatte er sich – auf geradezu kriminalistische Art und Weise – dem „Alten Mann“ genähert. 165 Stunden lang war Richter dem Maler auf der Spur. Er war auf sogenannte Dammarharze gestoßen und konnte damit Rückschlüsse auf Materialien ziehen, die in den 1960er Jahren verwendet worden waren. Stück für Stück hatte Dietrich die gealterte Oberfläche von Übermalungen und Verfremdungen so freigelegt, dass vor ihm schließlich nicht nur die kompletten Farbschichten des Gemäldes lagen, sondern mehr: „Es ist die tatsächliche Aussage und Absicht eines Autors, eines Künstlers, die sich am Ende offenbart.“

Dass es nicht mehr die Beschädigungen in der Tatnacht und eine jahrzehntelange, unsachgemäße Aufbewahrung sind, welche die fünf Altmeister heute prägen, ist vielen Privatspendern und Förderern zu verdanken. Ihretwegen sind die Gemälde heute in neuer Frische und wieder in einer historischen Rahmung sichtbar.

Dank der großzügigen Förderung der Friede Springer Stiftung, des Rotary Clubs Gotha, des Freundeskreises Kunstsammlungen e.V. und vielen Menschen, denen die Restaurierung der Rückkehrer am Herzen lag, erstrahlen die fünf Altmeister heute in einer neuen Frische.

Friede Springer, die Vorstandsvorsitzende der Friede Springer Stiftung, sagt: „Die Rückkehr der fünf Altmeistergemälde war eine Sensation. Diese glückliche Rückkehr hat die Werke nicht nur der Öffentlichkeit zurückgegeben, sondern bot auch die Gelegenheit, umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen durchzuführen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Hierbei hat unsere Stiftung gerne geholfen.“ Dank ihr konnten die Gemälde im Rahmen der Sonderausstellung „Wieder zurück in Gotha – Die verlorenen Meisterwerke“ nicht nur untersucht, erforscht und restauriert werden, die Friede Springer Stiftung hat darüber hinaus die Neurahmung und Neurepräsentation der Altmeister ermöglicht.

Die Gemälde im Überblick:

Hans Holbein d. Ä. (1465–1524/34)

Heilige Katharina, um 1509/10

Öl auf Linde, SSFG

Bei der Restaurierung des Gemäldes wurden spätere Übermalungen, etwa im Bereich der Haare, entfernt. Dabei wurde festgestellt, dass der heute fast schwarz erscheinende Hintergrund ursprünglich dunkelblau angelegt war. Die aktuellen Untersuchungen der Holztafel bestätigten zudem, dass es sich bei dem Gemälde nicht um ein angenommenes Fragment eines größeren Altargemäldes handelt.

Das Gemälde konnte mit der Unterstützung des Freundeskreises Kunstsammlungen e.V. für die Ausstellung restauriert und mit Unterstützung der Rotarier Gotha mit einem zeittypischen historischen Plattenrahmen (Nussbaum, deutsch, 16./17. Jh.) gerahmt werden.

Ferdinand Bol (1616–1680)

Bildnis eines alten Mannes, 1629/32

Öl auf Eiche, SSFG

Infolge des Kunstraubs trug das Bildnis tiefe Kratzer davon; insgesamt war das Erscheinungsbild durch Firniskrepierungen und Verschmutzungen stark verunklärt. Die Restaurierung und der Erwerb des historischen Flammleistenrahmens (frühes 17. Jh.) konnte durch die Unterstützung verschiedener Förderer erfolgen. 

Frans Hals (1580/85–1666)

Bildnis eines jungen Mannes, um 1635

Öl auf Leinwand (auf Holz aufgezogen), SSFG

Das Gemälde konnte mit der Unterstützung mehrerer Förderer für die Ausstellung restauriert und mit einem passenden historischen Flammleistenrahmen (Nussbaum, vermutl. flämisch, 17. Jh.) gerahmt werden. Die Restaurierung verbesserte das Erscheinungsbild, das zuvor durch Firnisschäden, Kratzer und Altretuschen verunklärt war, deutlich.

Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625), Werkstatt

Landstraße mit Bauernwagen und Kühen, um 1610

Öl auf Eiche, SSFG

Durch die Unterstützung verschiedener Förderer konnte das Gemälde restauriert werden. Das Erscheinungsbild war durch Verschmutzungen und Schäden deutlich verunklärt und die originale Farbigkeit nicht mehr nachvollziehbar. Der historische Plattenrahmen (Nussbaum und Nadelholz, 16. Jh, deutsch) komplettiert die Maßnahmen.

Anthonis van Dyck (1598/1599–1641), Umkreis

Selbstbildnis mit Sonnenblume, nach 1633

Öl auf Leinwand, SSFG

Das Porträt konnte mit Unterstützung mehrerer Förderer für die Ausstellung restauriert und in einem barocken Originalrahmen im Stil Louis XIII (Nadelholz, Frankreich, 2. Hälfte d. 17. Jh.) gerahmt werden. Bei der Restaurierung ging es vor allem darum, eine Wachsdoublierung aus den frühen 1970er Jahren zu entfernen und die vergilbte und schmutzige Oberfläche zu reinigen. Durch diese Arbeit wurde das Format des Gemäldes etwas vergrößert, da die einst nach hinten geschlagenen Streifen mit Malerei zurückgeführt wurden. 

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