Villa Novalis in Hirschberg Foto: © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/ Siebert

Fortführung der Fassadenarbeiten an Villa Novalis in Hirschberg wird gefördert

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Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt erneut Arbeiten an der Fabrikantenvilla

Die Fassadensanierung der Villa Novalis in Hirschberg im Saale-Orla-Kreis kann weitergehen. Die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterstützt die Fortführung der Arbeiten an dem denkmalgeschützten Gebäude mit 10.000 Euro. Die Mittel fließen in die Gerüststellung, den Fassadenanstrich und Dachklempnerarbeiten. Damit kann die DSD dank ihrer Spenderinnen und Spender die schrittweise Instandsetzung der früheren Fabrikantenvilla erneut fördern.

Bereits in den Jahren 2019 bis 2021 und 2025 hat die DSD Restaurierungs- und Sanierungsmaßnahmen an der Villa unterstützt, darunter Arbeiten an der historischen Innenausstattung, der Regenrinne, einem Nebengebäude sowie an Fassade, Fenstern und Türen.

Die 1879/1880 errichtete Villa Knoch, heute Villa Novalis, steht beispielhaft für die Industriegeschichte Hirschbergs. Die repräsentative Fabrikantenvilla entstand im Umfeld der Fabrikgebäude und blieb nach dem Abriss dieser in den 1990er Jahren als bauliches Zeugnis der Firmengeschichte der Unternehmerfamilie Knoch stehen. Die Familie Knoch machte Hirschberg zu einer der führenden Lederstädte Deutschlands und Europas. 1741 übernahm Johann Gottlieb Knoch die Gerberei.

Unter Nachfahre Heinrich Philipp Maximilian Knoch wurde 1873 mit Aufstellung der ersten Dampfmaschine der Weg für die industrielle Entwicklung geebnet: Aus dem Unternehmen mit drei Gesellen und vier Arbeitern wurde ein Betrieb mit 1500 Arbeitern und Angestellten im Jahr 1945, der jährlich 600.000 Tierhäute zu Leder verarbeitete. Das Unternehmen war über Jahrzehnte nicht nur der größte Arbeitgeber Hirschbergs, sondern wurde mit der Schaffung neuer Bahnanschlüsse nach Berlin und München, dem Bau einer Brücke über die Saale, eines Kulturhauses und eines Schwimmbads ein Motor für die Infrastruktur vor Ort. Trotz der Enteignung 1945 – 70 Prozent der Anlagen mussten als Reparaturleistungen an die Sowjetunion abgeführt werden – bestand der Betrieb auch zu DDR-Zeiten und bis 1993 weiter.

Das dreigeschossige Gebäude im Stile römischer Landvillen mit einer Wohnfläche von rund 930 Quadratmetern liegt in einer großzügigen Parkanlage. Die historische Innenausstattung des spätklassizistischen Baus ist in wesentlichen Teilen erhalten. Dazu gehören Tafelparkett und Holzeinbaumöbel, offene Kamine, Kachelöfen, Holzvertäfelungen, Stuckdecken und historische Fenster. Damit vermittelt die Villa bis heute anschaulich die Wohn- und Repräsentationskultur einer erfolgreichen Fabrikantenfamilie des späten 19. Jahrhunderts.

Bis 2003 diente das Gebäude als städtischer Kindergarten, stand dann leer. 2015 übernahm die Musikerfamilie Schwab die „Kindergartenvilla“ und begann mit ihrer Sanierung; Schäden durch Hausschwamm wurden beseitigt, historische Fenster instandgesetzt, das Erdgeschoss wurde renoviert und Technik erneuert. Zwischen 2019 und 2024 erfolgten weitere Arbeiten. Unter anderem wurde die Wandgestaltung in der Bibliothek restauriert, im Treppenhaus die historische Wandquaderung rekonstruiert, das einsturzgefährdete Dach des Nebengebäudes saniert, Holzpaneele und Türen im Obergeschoss und im für die Übernachtung von Kursteilnehmern ausgebauten Dachgeschoss restauriert. Mit der erneuten Förderung wird die kontinuierliche Instandsetzung des Baudenkmals weiter unterstützt.

Benannt haben die heutigen Eigentümer die Villa nach dem philosophischen Denker und Dichter Novalis – übersetzt der Neuland Bestellende, der eigentlich Georg Philipp Friedrich von Hardenberg hieß. Für den Bergbeamten, der nachts seine Gedichte verfasste, waren Brotberuf und Kunst kein Widerspruch. Er romantisierte die von der Aufklärung technisch zerlegte Welt und setzte ihr die Poesie entgegen.

Die Villa Novalis in Hirschberg ist eines der mehr als 600 Denkmale, die die DSD dank privater Spenden, ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel der Lotterie GlücksSpirale bisher in Thüringen fördern konnte.

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