Gotha: Thüringer Schulen leben Demokratie – Landeswettbewerb erstmals im Landtag ausgezeichnet

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30 Thüringer Schulen aller Schularten haben sich mit 38 Projektbeiträgen am diesjährigen Landeswettbewerb „Demokratie & Schule“ beteiligt und gezeigt, wie politische Bildung und Demokratiebildung dort wirksam werden, wo Schülerinnen und Schüler Verantwortung übernehmen, Haltung entwickeln und ihre Lebenswelt aktiv mitgestalten. Die Projekte reichen von demokratischer Mitgestaltung im Schulalltag über historisch-politisches Lernen und Erinnerungskultur bis hin zu ökologischer Verantwortung und Engagement in Kommune und Region. „Demokratie ist kein abstraktes Prinzip – sie wird konkret, wo junge Menschen sie selbst gestalten. Die Projekte dieses Wettbewerbs machen mich zuversichtlich, dass unsere Schulen genau das leisten: Räume schaffen, in denen Schülerinnen und Schüler Mitbestimmung erfahren, Haltung entwickeln und Verantwortung für ihr Umfeld übernehmen. Genau hier setzt auch die Verfassungsviertelstunde an, die wir als festen Baustein der Demokratiebildung an Thüringer Schulen verankern“, erklärte Bildungsminister Christian Tischner bei der Eröffnung der Auszeichnungsveranstaltung im Thüringer Landtag.

Erstmals fand die Veranstaltung im Plenarsaal des Thüringer Landtags statt. Landtagspräsident Dr. Thadäus König begrüßte die Schülerinnen und Schüler und überreichte die Urkunden an die Preisträgerschulen. Minister Tischner, der die Schirmherrschaft des Wettbewerbs trägt, eröffnete die Veranstaltung mit einem fachlichen Impuls zur Demokratiebildung an Thüringer Schulen im Kontext der Verfassungsviertelstunde. Insgesamt wurden Preise im Gesamtwert von 2.500 Euro vergeben. Alle teilnehmenden Schulen erhielten eine Urkunde als Anerkennung ihrer Projektarbeit.

Den ersten Platz und 750 Euro erhielt das Staatliche Gymnasium „Hermann Pistor“ Sonneberg für das Projekt „Jüdisches Leben in Sonneberg und Coburg“. 39 Schülerinnen und Schüler der Sozialkunde- und Geschichtskurse erforschten in einem fächerübergreifenden und länderübergreifenden Vorhaben 14 historische Orte jüdischen Lebens in der Grenzregion Coburg-Sonneberg, bereiteten diese als Fachvorträge an den Originalschauplätzen auf und entwickelten eigene Beiträge zur lokalen Erinnerungskultur – darunter QR-Codes am jüdischen Friedhof, eine Infotafel und einen digitalen Adventskalender auf Instagram. Das Projekt verbindet wissenschaftliches Arbeiten mit aktivem Gedenken und steht beispielhaft für historisch-politisches Lernen, das über den Unterricht hinaus in die Region wirkt.

Den zweiten Platz und 500 Euro erhielt die Staatliche Gemeinschaftsschule „Floranum“ Erfurt für das Projekt „Wir suchen unseren Schulnamen“. In einem vollständig demokratisch organisierten Verfahren mit Projektwoche, eigenem Wahlteam, Wahlurnen und einer schulweiten „Wahlarena“ bestimmte die gesamte Schulgemeinschaft – Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern – den neuen Namen ihrer Schule. Das Projekt zeigt, dass Mitbestimmung bereits dort beginnt, wo Schülerinnen und Schüler den Ort, an dem sie lernen, selbst mitgestalten.

Der dritte Platz und 250 Euro ging an die Staatliche Grundschule „Johann Sebastian Bach“ Arnstadt für das Projekt „Stille Helden“. Schülerinnen und Schüler einer dritten Klasse setzten sich mit Mut, Helfen und Zivilcourage auseinander – von der Geschichte Otto Weidts über einen Rundgang entlang der Stolpersteine in Arnstadt bis zum eigenen Engagement beim World Clean Up Day. Die Ergebnisse wurden in einem digitalen Buch dokumentiert. Das Projekt belegt, dass demokratische Grundwerte bereits im Grundschulalter reflektiert und gelebt werden können.

Mit Sonderpreisen für besondere Schulentwicklungsarbeit (je 200 Euro) wurden ausgezeichnet: die Staatliche Regelschule „Am Schloss Neideck“ Arnstadt für das Projekt „Es geht DoCH – Denkreise – Schule neu denken!“, das Staatliche Gymnasium „J. H. Pestalozzi“ Stadtroda für „Courage (im) Kino: Filme, die Mut machen“, die Staatliche Regelschule Heldburg für „Mission Possible – Auf dem Weg zum besseren Zusammenleben“ sowie die Staatliche Gemeinschaftsschule „Johann Wolfgang v. Goethe“ Schalkau für das LdE-Projekt „Jugendclub Re:Start – Tu es! Gestalte deinen Ort.“, bei dem Schülerinnen und Schüler einen seit über zehn Jahren leerstehenden Jugendclub eigenständig renovieren und als Begegnungsort in der Region neu beleben. Den Preis für kontinuierliche Netzwerktätigkeit (200 Euro) erhielt das Staatliche Gymnasium „Johann Georg Lingemann“ Heiligenstadt für das Projekt „Deepfakes – Meine, deine, unsere Verantwortung?“, in dem Schülerinnen und Schüler Chancen und Risiken KI-generierter Manipulationen untersuchten und ein Informationsvideo zur Aufklärung produzierten.

Neben der Preisverleihung präsentierten die Schülerinnen und Schüler ihre Projekte in Gesprächsrunden und nutzten die Gelegenheit zum Austausch über Ideen und neue Vorhaben. Für Lehrkräfte standen begleitend anerkannte Fortbildungsangebote des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) auf dem Programm, die in Kooperation mit der Mal- und Zeichenschule Weimar die Projektarbeit mit den Möglichkeiten des Lernens durch Engagement (LdE) verbinden.

Hintergrund:

Der Thüringer Landeswettbewerb „Demokratie & Schule“ hat sich seit 2019 als fester Bestandteil der politischen Bildung und Demokratiebildung an Thüringer Schulen etabliert. Jährlich beteiligen sich rund 30 Schulen aller Schularten. Der Wettbewerb ist Teil des Thüringer Landesprogramms „Demokratie & Schule“ und würdigt Projekte in den Themenfeldern Mitbestimmung, historisch-politisches Lernen, Lebenswelt und Ökologie sowie Verantwortung in der Region. Die Bewertung erfolgt durch eine Jury aus Vertreterinnen und Vertretern der Staatlichen Schulämter, der Landesschülervertretung, eines außerschulischen Partners sowie des TMBWK.

Weitere Informationen unter:
https://bildung.thueringen.de/bildung/politische-bildung/landeswettbewerb

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