„Buchstaben des Lebens“: Eine Erinnerung in Zitaten an Alexander Kluge

Kluge an einer Schulbank der 30er Jahre im Keller der Reyherschule in Gotha Foto: Lutz Ebhardt
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Einer der vielseitigsten Intellektuellen Deutschlands ist gestorben: Der Philosoph, Schriftsteller und Filmemacher Alexander Kluge. 

Der Friedenstein-Preisträger 2020, der als 6-Jähriger in Gotha eingeschult wurde, ist dem Ort bis in seine späten Jahre verbunden geblieben. Dem Friedenstein hat Alexander Kluge drei Geschenke gemacht und damit einen Funken seines kreativen Geistes hinterlassen. 

Seine Rauminstallation „Bauhaus, ‚Jugend‘, ABC & Utopie“ war 2019 in der Oskar Schlemmer-Ausstellung im Herzoglichen Museum Gotha zu sehen. In diesem Rahmen ist ein Sonderdruck in Schulheftanmutung entstanden, in dem sich Kluge erinnert und Persönliches mit Weltgeschichte verwebt: „Wie ich in Gotha 1938 eingeschult und von der Schwester meines Vaters charakterlich ‚zurechtgerückt‘ wurde. Sechs Monate Zeitgeschichte, die mich prägten.“

2022 hat die Friedenstein Stiftung – auf Initiative des damaligen Referenten für Vermittlung Christoph Mauny – Alexander Kluge zu Ehren seines 90. Geburtstages ein temporäres Denkmal gesetzt: In der Geburtstagswoche, vom 14. bis 20. Februar, konnten Reisende, Passanten und Neugierige Kluge in einer Hörbuch-Installation an jenem Ort begegnen, an dem der damals 6-Jährige Gotha zum ersten Mal betreten hatte: am Bahnhof der Stadt. Hierfür hatte Alexander Kluge Erinnerungen an seine sechs Kindheitsmonate in Gotha eingesprochen.

Zur Erinnerung an diesen besonderen Menschen möchten wir den sich erinnernden Alexander Kluge selbst zu Wort kommen lassen: 

(Ausschnitt aus der Hörbuch-Installation „Gotha hört Alexander Kluge“ am Gothaer Bahnhof zum 90. Geburtstag des Autors)

„Was ist ‚wirklich‘ in diesen Tagen? Die Großbuchstaben der Zeitgeschichte (aus Anlaß der Österreichkrise werden Truppen verladen) oder die großzügige Ausmalung von Buchstaben zu Buchstabenkombinationen in der Reyherschule?“

„Ich lerne vormittags in der Reyherschule das ABC in der deutschen Kanzleischrift, der sogenannte Sütterlinschrift. Die Bedeutung lag in der Ausmalung und Rundung der Buchstaben. Solches Lernen ist der Gegenpol zu dem Zwangsschweigen, aus der Lebendigkeit herausgestanzt, das sich mit den Rundfunknachrichten verbindet, die mit dem Gongschlag dem Mittagessen vorangehen.“  

Beide Passagen aus: „Lesen und schreiben lernen / ‚Buchstaben des Lebens’“ (2019)

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