Über 300 Jahre altes Brauchtum: Sackbären treiben in Apfelstädt den Winter aus

Foto: Martin Falkenstein
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Apfelstädt pflegt eine über 300 Jahre alte Heimattradition im Landkreis Gotha. Alljährlich am Faschingsdienstag und am Aschermittwoch ziehen die sogenannten Sackbären durch den Ort und treiben symbolisch den Winter aus. Der Winteraustriebsbrauch wird seit mindestens drei Jahrhunderten begangen und in einigen Familien bereits in siebter Generation begangen.

Neben den namensgebenden Sackbären gehören auch Hexen, Strohbären sowie mehrere Meter hohe, kunstvoll gebundene Strohpuppen zum traditionellen Brauch. Das Anfertigen dieser imposanten Figuren erfordert mehrere Stunden sorgfältiger Handarbeit und ist selbst Ausdruck des hohen handwerklichen und ideellen Engagements der Beteiligten. Das Brauchtum gilt als lebendiges Stück regionaler Kulturgeschichte und prägt die Identität des Ortes in besonderer Weise. Ortschaftsbürgermeister Markus Kaufmann hebt hervor, dass die Pflege dieser Tradition einen wichtigen Beitrag zum Gemeinschaftsgefühl und zum Bewusstsein für die eigene Heimat leistet.

Charakteristisch für die Sackbären ist ihr Auftritt mit rußgeschwärzten Enten- oder Gänseflügeln, den sogenannten „Federwischen“. Mit diesen werden traditionell jene Personen geschwärzt, die nicht kostümiert am Geschehen teilnehmen – ein spielerisches Ritual, das den ursprünglichen, derben Humor der Fastnachtszeit bewahrt.

Das Brauchtum erfreut sich großer Beliebtheit bei Jung und Alt. Neben der örtlichen Bevölkerung zieht der Winteraustrieb regelmäßig zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus den umliegenden Orten an. Damit steht die Tradition heute nicht nur für die Pflege regionaler Kultur, sondern auch für gelebte Gemeinschaft und die Weitergabe gewachsener Bräuche an kommende Generationen. Historische Überlieferung und lebendige Gegenwart verbinden sich so zu einem festen Bestandteil des kulturellen Selbstverständnisses Apfelstädts.

Historische Quellen belegen, dass Fastnachtsbräuche bereits im 17. Jahrhundert Gegenstand obrigkeitlicher Reglementierung waren. In der Fürstlich-Sächsischen Landesordnung von 1695 finden sich Verbote gegen das Verkleiden und das Umherziehen zur Fastnachtszeit. Trotz solcher Verbote konnten die närrischen Bräuche nicht unterbunden werden. In Apfelstädt hat sich die Tradition der Stroh- und Sackbären bis in die Gegenwart erhalten und verweist eindrucksvoll auf die historischen Wurzeln der Fastnachtskultur in der Region.

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