Antwort auf den Klimawandel: Landkreis Gotha als Vorreiter in Thüringen
Fast 400 Seiten umfasst das neue Klimafolgenanpassungskonzept für den Landkreis Gotha. Darin enthalten: Klimadaten der letzten Jahrzehnte, fortführende Prognosen bereits beobachtbarer Entwicklungen und 29 konkrete Maßnahmen. Das Konzept ist das erste seiner Art in Thüringen. Es wurde von November 2023 bis Ende Juli 2025 erarbeitet und am 10. Dezember 2025 vom Kreistag beschlossen. Der Landkreis Gotha macht damit einen wichtigen Schritt in Richtung Sicherheit und Klimaresilienz.
„Wir wollen nicht erst warten, bis uns eine Katastrophe im Landkreis Gotha wachrüttelt, um beim Thema Klima aktiv zu werden“, sagt Landrat Onno Eckert. „Zu wissen, wie wir auf schon jetzt reale Klimaveränderungen reagieren können, hilft dabei, unsere Region und unsere Bürgerinnen und Bürger langfristig zu schützen.“
Mit der Fertigstellung des Konzepts erfüllt der Landkreis bereits heute die Standards des Bundes-Klimaanpassungsgesetzes (KAnG). Die Erstellung von Klimafolgenanpassungskonzepten wird durch die landesrechtliche Umsetzung des Bundes-Klimaanpassungsgesetzes für alle Landkreise in Thüringen in den nächsten Jahren gesetzlich verpflichtend.
Risiken und Realität
Das Konzept befasst sich zum Beispiel mit der steigenden Wahrscheinlichkeit von Wald- und Feldbränden, Überschwemmungen oder Trockenperioden und sinkenden Grundwasserständen. Aber auch Gefahren für die menschliche Gesundheit und mögliche Schäden an der Infrastruktur durch Folgen des Klimawandels wurden untersucht. Die Arbeit beruht auf Klimadaten aus dem Landkreis Gotha, zum Teil seit den 1940er-Jahren. Außerdem konnten Bürger:innen in Crowd-Mapping-Verfahren aktuell beobachtbare Veränderungen selbst einbringen. Auch Fachakteure haben ihre Expertise und Praxiserfahrung in das Konzept einfließen lassen. Fachakteure sind zum Beispiel Vertreter:innen kommunaler Unternehmen, öffentlicher und privater Einrichtungen, von Verbänden und Vereinen sowie Expert:innen aus den Bereichen Wasserwirtschaft, Gesundheit, Land- und Forstwirtschaft, Katastrophenschutz, Tourismus und Wohnungswesen.
Wichtige Klimadaten für die Erarbeitung des Konzepts hat das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (Referat 72, Kompetenzzentrum Klima) bereitgestellt. Fachlich erarbeitet und begleitet wurde das Projekt vom Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz (ThINK). Innerhalb des Landratsamtes war Klimaschutzmanager Jan Heinichen für die Koordination zuständig. „Dieses Konzept ist kein reines Schreibtischprodukt“, betont Heinichen. „Es ist ein wissenschaftlich fundiertes Gemeinschaftswerk verschiedener Akteure im Landkreis.“
Konkrete Maßnahmen für Gemeinden
Das Klimafolgenanpassungskonzept zeigt explizit auf, welche Gefahren und Risiken es für den Landkreis Gotha gibt und welche Auswirkung diese auf die Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung haben. 29 Maßnahmen, die den Landkreis kurz-, mittel- und langfristig klimaresilienter machen, werden aufgeführt. Das sind zum Beispiel klimaangepasster Waldumbau, Wassermanagement und Erosionsschutz oder Veränderungen im Bauwesen. Dabei sind nötige Schritte, je nach Risikobewertung einzelner Regionen, für Gemeinden individuell gestaltet.
Beispielsweise wird für die Gemeinde Nesse-Apfelstädt aufgrund der geografischen Lage und häufigem Starkregen in der Vergangenheit das Risiko von Überschwemmungen als überdurchschnittlich hoch eingestuft, weshalb sich geeignete Maßnahmen vor allem auf Strukturen zum Wasserrückhalt und den Schutz von Infrastruktur fokussieren. Im Vergleich dazu ist in der Gemeinde Tonna das Risiko von Trockenstress für Agrarflächen und Hitzebelastung für die Bevölkerung höher. Hier konzentrieren sich die empfohlenen Maßnahmen auf die Wasserversorgung und bauliche Maßnahmen zum Hitzeschutz.
Öffentliche Abschlusspräsentation
Am 9. Februar werden die Ergebnisse der fast zweijährigen Arbeit im Rahmen einer Abschlusspräsentation vorgestellt. Interessierte Bürger:innen sind herzlich eingeladen. Die Präsentation findet von 15.30 bis 17 Uhr im Staatlichen Berufsschulzentrum „Hugo Mairich“ (Kindleber Str. 99b, Raum 102) statt. Das Konzept ist bereits im Vorfeld online verfügbar unter landkreis-gotha.de/aktuelles/klima. Es wurde mit Mitteln des Thüringer Landeshaushalts im Rahmen der Richtlinie „Klima Invest“ finanziert.
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