Wissenschaftlicher Beirat der „Wege zu Cranach“ tagt in Gotha
„Die Cranach-Sammlung in Gotha und eine Rückkehr“
Vereint oder getrennt? Restaurieren oder nicht? Mit diesen Fragen hat sich der wissenschaftliche Beirat des Verbunds „Wege zu Cranach“ bei seiner Tagung in Gotha auseinandergesetzt. Im Mittelpunkt des Treffens stand das Gemälde „Salome mit Johannesschüssel“ (um 1530), das erst seit wenigen Wochen wieder vollständig – wenn auch zersägt – im Herzoglichen Museum Gotha präsentiert wird.
Dr. Timo Trümper, Direktor Wissenschaft und Sammlungen sowie Kustode der Sammlungen Malerei, Plastik und Moderne, hatte Mitte Oktober den wissenschaftlichen Beirat der Wege zu Cranach und weitere Cranach-Experten nach Gotha eingeladen. Zusammen mit der Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirates Frau Prof. Dr. Elke Anna Werner (Direktorin der Kunstmuseen Erfurt) diskutierte man darüber, ob die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes des Gemäldes und damit die ursprüngliche Intention des Künstlers höher zu bewerten seien als die Erzählung der Objektgeschichte im Laufe der Jahrhunderte, zu der dann eben auch die massiven Eingriffe des 20. Jahrhunderts gehören.
Um beiden Positionen gerecht zu werden, erörterten die Expert:innen auch einen Mittelweg. Ob dieser gangbar ist, soll Professor Dr. Gunnar Heydenreich überprüfen, der das Fachgespräch des wissenschaftlichen Beirates begleitet hat. Der Restaurator und Kunsthistoriker der Technischen Universität Köln hat im Cranach Digitale Archive eine weltweit einmalige Sammlung von Cranach-Werken digitalisiert und im Zuge dessen bereits unzählige Cranach-Werke technologisch unter die Lupe genommen.
Er muss nun klären, ob es möglich ist, den dunklen Hintergrund der oberen Tafel wieder herzustellen, der in der Zwischenzeit durch einen hellen ersetzt wurde. Wenn ja, könnte man das Gemälde geteilt präsentieren – aber zumindest in der Farbigkeit, wie es von Cranach vor 495 Jahren gemalt worden war.
Das Gemälde und seine Geschichte
Das Werk aus der Werkstatt oder dem Umkreis Lucas Cranachs d. Ä. entstand um 1530 und ist seit 1644 in den Sammlungen des Friedensteins nachweisbar. Die Tafel wurde vor 90 Jahren in den Kunsthandel abgegeben und zur Preissteigerung in zwei Teile zersägt. Während man den unteren Teil des Gemäldes, den vermeintlich unansehnlichen Johanneskopf, an das Museum zurückgab, verkaufte man den oberen Teil – jetzt als Bildnis einer Prinzessin.
Dank der großzügigen Unterstützung der Kulturstiftung Gotha gelang es vor kurzem
das Frauenbildnis für die Gothaer Sammlung zurückzukaufen. Beide Tafeln sind nun zwar wieder vereint, aber stark verändert. Während der in Gotha verbliebene untere Teil des Gemäldes in der Zwischenzeit restauriert wurde und den ursprünglichen schwarzen Hintergrund beibehalten hat, ist dieser im oberen Teil übermalt worden. Nach der Zusammenführung stellt sich jetzt die Frage, wie man mit diesem schwerwiegenden Eingriff in ein Cranach-Original fachgerecht umgeht.
Wege zu Cranach
„Wege zu Cranach“ ist ein Verbund von 14 Orten und Einrichtungen in Bayern, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, den es seit 2011 gibt. Ziel ist es, Orte, die einen besonderen Bezug zu Leben und Wirken der Malerfamilie Cranach haben, in der Öffentlichkeit auf geeignete Weise bekannt zu machen und das Leben und Wirken Cranachs wissenschaftlich und kulturell zu würdigen.
Weitere Informationen unter: https://www.wege-zu-cranach.de/
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